The Red Queen Effect

Schering Stiftung
Unter den Linden 32—34, 10117 Berlin

Neue Technologien ermöglichen es, Daten aus dem Körperinneren zu sammeln, zu visualisieren und auszuwerten. ›kennedy+swan‹ untersuchen, wie Maschinen darauf trainiert werden, menschliches Gewebe mit einem künstlichen medizinischen Blick zu erkennen, zu klassifizieren und potenzielle Krankheiten zu diagnostizieren. Dabei stellen sie grundlegende Fragen aus individueller und kollektiver Perspektive: Was bedeutet es, den Körper für algorithmische Systeme zu öffnen? Wie verändert sich unser Gefühl von Verantwortung und Vertrauen—und wie verhandeln wir Autonomie, wenn undurchsichtige Systeme medizinische Diagnosen erstellen?

Die Ausstellung ›The Red Queen Effect‹, die am 10 SEP 2025 im Ausstellungsraum der Schering Stiftung eröffnet, setzt sich kritisch mit dem Einzug Künstlicher Intelligenz in der Medizin auseinander.

›kennedy+swan‹ thematisieren die komplexen Verflechtungen zwischen datengetriebener Diagnostik, technikgestützter Prävention und strukturellen Ungleichheiten—sowie den wachsenden individuellen und gesellschaftlichen Druck, mit der Beschleunigung wissenschaftlich-technologischer Systeme Schritt zu halten.

Der Ausstellungstitel verweist auf eine Szene aus Alice im Wunderland, in der die Rote Königin Alice erklärt, dass sie so schnell rennen müsse, wie sie kann, um nicht zurückzufallen. In der Evolutionsbiologie dient dieses Bild zur Beschreibung eines Wettlaufs zwischen Arten und Umwelt: Biologische Systeme müssen sich fortwährend verändern, um bestehen zu können. Für ›kennedy+swan‹ beschreibt dieses Bild ein kollektives Gefühl inmitten technologischer Beschleunigung—und die Notwendigkeit, dieser Dynamik mit künstlerischer Vorstellungskraft neue Perspektiven entgegenzusetzen.

Aquarelle auf Glas—gestaltet in der Ästhetik mikroskopischer Präparate—dienen sowohl als Kunstwerke als auch als Datenquellen. Mit Unterstützung von Wissenschaftler*innen des Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data (BIFOLD) legten ›kennedy+swan‹ diese Bilder einem Algorithmus vor, der die abstrakten Werke überzeugend als potenziell krankhafte Gewebescans analysierte. In einer mehrkanaligen Videoinstallation verdichtet das Duo diese Auseinandersetzung: Hier treffen die Verheißungen medizinischer Forschung auf die Ängste und Ambivalenzen von Patient*innen und auf die Grauzonen eines Systems, das zunehmend von Effizienz- und Marktlogiken geprägt ist.

Ein zentrales Element bildet ein spekulatives Zukunftsszenario: In filmischen Episoden bewerben sich Proband*innen bei der Biotech-Firma ›Alice‹ für lebensverlängernde Tests. Die Szenen durchspielen menschliche Unsterblichkeitsfantasien und verhandeln die Frage, wie frei unser Umgang mit dem eigenen Körper wirklich ist—angesichts von Profitinteressen, Versicherungssystemen und digitalen Infrastrukturen, die unsere Beziehungen zu uns selbst, zueinander und zu technologischen Systemen durchdringen.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung am 10 SEP 2025  sprechen Dr. Jörg Maxton-Küchenmeister, Dr. Christina Landbrecht und Nataša Vukajlović. Im Anschluss werden Drinks und Snacks serviert. Das Künstler*innenduo ist anwesend.

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