Clemens Krauss

Clemens Krauss. © Oliver Mark

Artists Clemens Krauss über Caravaggio, den langen Schatten der Vergangenheit und die Freude über gestiegene Handhygiene

Woran arbeiten Sie gerade?
An Skulpturen aus reiner Ölfarbe.

Wer oder was hat Sie in Ihrer Arbeit beeinflusst?
In erster Linie der ständige intellektuelle Austausch mit meinem künstlerischen Umfeld: meine Künstler*innenfreunde, meine Studierenden, Kunstausstellungen.

Zu welchem Kunstwerk kehren Sie immer wieder zurück?
Hier in Berlin zu Caravaggios ›Amor als Sieger‹ in der Gemäldegalerie. Abgesehen von seiner Virtuosität ist das Bild hochpolitisch. Es symbolisiert den Triumph der ›irdischen‹ Liebe über die ›himmlische‹. In meiner Heimatstadt Wien gehe ich immer am Mahnmal von Rachel Whiteread, der sogenannten ›leeren Bibliothek‹ vorbei. Auch hier interessiert mich die Radikalität der Form in Verbindung mit dem kritischen Inhalt.

Was würden Sie machen, wenn Sie keine Kunst machen würden?
Landwirt.

Was lesen oder hören Sie gerade?
›Der lange Schatten der Vergangenheit‹ von Aleida Assmann, eine sehr psychoanalytische Schrift, in der es um kollektives Vergessen und Erinnern geht, um historische Täter- und Opferschaft, damit verbundene Traumata und das Phänomen des Schweigens.

Was muss Kunst heute Ihrer Meinung nach können?
Risiko, bedingungslose Freiheit, Innovation.

Welchem Aspekt der Prä-Pandemie-Welt weinen Sie eine Träne nach? Und welchem nicht?
Zum ersten Teil der Frage: dem unbefangenen, mitunter körpernahen Miteinander. Zum zweiten: der mangelnden Handhygiene. Nun hat sich wohl bis zum letzten Menschen herumgesprochen, dass es recht hilfreich ist, sich ab und zu mal die Hände zu waschen (lacht).

Wenn Sie Ihre Arbeit auf einen Begriff bringen müssten—welcher wäre das?
Experiment.

Haben Sie ein tägliches Ritual?
Das einzige Ritual ist das Aufstehen und Schlafengehen. Die Zeiten können da extrem variieren. Dazwischen arbeiten. Ich gehe gerne auf Parties und betreibe Ausdauersport wie Schwimmen und Marathonlaufen.

Worauf freuen Sie sich in nächster Zeit im Kunst- und Kulturbereich?
Vor allem auf die persönlichen Wiederbegegnungen.

HAUS AM LÜTZOWPLATZ (HAL)
Clemens Krauss. ›Massen / Masses‹
16 SEP 2021—9 JAN 2022
Eröffnung 15 SEP, 19—22 Uhr

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