»You will wake in the guise of your left-behind form …«

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Zwei Protagonist*innen der Berliner Kunstszene suchen einen Link aus und stellen ihn vor. Diese Woche: Anna Gritz und Christina Landbrecht

Hannah Black, ›My Bodies‹, 2014

Seit ich sie zum ersten Mal gesehen habe, verfolgt mich Hannah Blacks Videoarbeit ›My Bodies‹ (2014) wie ein Ohrwurm. Auf eindringliche Art fängt Black darin die Diskrepanz zwischen dem Gefühl ein, in einem Körper zu leben—dem Gefühl, Fleisch zu haben und zu sein—, sowie dessen abstrahierter Zirkulation, Wertschätzung und Würde. Ich sehe das Video als Versuch, den Körper auch über das spezifische individuelle Erleben und dessen Lebensdauer hinaus zu verstehen—und anzuerkennen, dass an Körpern nichts verallgemeinert werden kann. »If you die with your arms around a red skinned dog«, heißt es in einem Gedicht im Video, »bathed in the light of your laptop dead or sleeping / your phone still in your hand / scrolling without end through remembered attachments / you will wake in the guise of your left-behind form […]«.

Anna Gritz, Kuratorin an den KW Institute for Contemporary Art, Berlin

Zheng Bo, ›Politics of Plants. Preliminary Questions‹

Serie von jeweils ca. einstündigen Audiolivestreams, entstanden im Rahmen der Residenz des Künstlers im Gropius Bau ab April 2020

Es ist nicht leicht, aus der Flut der seit März online geführten Künstler*innengespräche, virtuellen Ausstellungsrundgänge, Podcasts und Online Viewing Rooms eine einzelne Initiative herauszugreifen. An Gesprächen in Form von Audiolivestreams oder Podcasts habe ich jedoch besonderen Gefallen gefunden. Der chinesische Künstler Zheng Bo, der aufgrund der geltenden Einreisebeschränkungen lange nicht nach Berlin reisen konnte, um seine Residency anzutreten, hat seit Mai von Hongkong aus mit internationalen Wissenschaftler*innen gesprochen. Während der Aufnahme geht er in der Natur spazieren. Dass sich seine Gesprächspartner*innen—darunter ein Philosoph, eine Anthropologin oder ein Waldökologe—voll und ganz auf seine unkonventionellen Fragen einlassen, mag auch dieser Gesprächssituation geschuldet sein. Das Resultat sind auf jeden Fall ebenso lehrreiche wie inspirierende Dialoge.

Christina Landbrecht, Programmleitung Kunst der Schering Stiftung, Berlin

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