Aktion und Papier

Tomas Schmit am Zeichentisch in seiner Wohnung in Berlin, Bleibtreustrasse 3,1978. Foto: Dagmar Gebers; © tomas schmit archiv, Berlin

Tomas Schmit war in den frühen 1960er-Jahren einer der zentralen Protagonisten der Fluxus-Bewegung. Während der Berlin Art Week ist das Werk des 2006 verstorbenen Künstlers in einer umfassenden Retrospektive im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) und dem Kupferstichkabinett zu erleben. Wir zeigen vorab eine Auswahl von Schmits Zeichnungen.

Nam June Paik, Tomas Schmits Fluxus-Kollege, hat einmal gesagt, er wäre viel lieber Tomas Schmit geworden als Nam June Paik. Dieser Tomas Schmit, dessen vielschichtiges Werk während der Berlin Art Week in gleich zwei großen Retrospektiven zu sehen sein wird, war zwar nicht der bekannteste Vetreter der Fluxus-Bewegung—zumindest nicht so bekannt wie Paik—, aber mit Sicherheit einer ihrer radikalsten. Von seinen frühen Aktionen über die Bücher, Texte, Editionen und die Zeichnungen, auf die sich Schmit zunehmend verlagerte, entwickelte er ab den frühen 1960er-Jahren und bis zu seinem Tod im Jahr 2006 ein umfangreiches und grenzensprengendes Werk, das Alltag und Kunst verschränkte, Sprache und Bild, Aufführung und Niederschrift.

Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) wird nicht nur viele der Originalpartituren von Schmits frühen Aktionen zeigen und zur Aufführung bringen, sondern entwickelt dazu gemeinsam mit zeitgenössischen Künstler*innen wie etwa Nina Canell, Hajnal Németh oder Alexandra Pirici weitere Interpretationen und neue Formate. Das Kupferstichkabinett, das uns die hier gezeigten Arbeiten zur Verfügung gestellt hat, legt unter dem Titel ›sachen machen‹ demgegenüber ein Augenmerk auf Schmits beinahe 40 Jahre umfassendes Werk auf Papier. Geprägt ist auch das nicht nur von einem besonderen Wort- und Sprachwitz und einer bestimmten, bisweilen lakonischen Leichtigkeit, sondern vor allem auch von einer gewissen Ereignishaftigkeit—›sachen machen‹ eben.

and how they rise from nothing II, 1978, tomas schmit archiv, Berlin. © tomas schmit archiv, Berlin
das ist alles!, 21.6.1992, Privatsammlung, Köln. © tomas schmit archiv, Berlin

das sind die burschen, 15.1.2002, tomas schmit archiv, Berlin. © tomas schmit archiv, Berlin
der grüne durchschlupf vom ding zum hirn, 1974, tomas schmit archiv, Berlin. © tomas schmit archiv, Berlin
eine sehr schöne geschichte, aus: 2t sch8l, ’17. karton‘ der edition hundertmark, Berlin, 25.04.1972, Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett, Graphisches Gesellschaf zu Berlin, Id.-Nr. GGB 2-2018. Foto: Dietmar Katz © tomas schmit archiv, Berlin

diverse lustobjekte, 12.10.1985, Sammlung Bayer AG, Leverkusen. © tomas schmit archiv, Berlin
fisherman’s daughter’s teddy’s favorite mock-spaghettis, 15.8.1993, Sprengel Museum Hannover, Sammlung Niedersächsische Sparkassenstiftung im Sprengel Museum Hannover, NSKS 6171/02-05. © tomas schmit archiv, Berlin

from the history of consciousness I, 14.9.2003, Deichtorhallen Hamburg / Sammlung Falckenberg. © tomas schmit archiv, Berlin
from the history of consciousness II, 17.9.2003, Deichtorhallen Hamburg / Sammlung Falckenberg. © tomas schmit archiv, Berlin

from the history of consciousness III, 20.9.2003, Deichtorhallen Hamburg / Sammlung Falckenberg. © tomas schmit archiv, Berlin
uto 12, aus: utopia, 41. karton der edition hundertmark, 30.07.1975, Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett, Graphisches Gesellschaf zu Berlin, Id.-Nr. GGB 3-2018. Foto: Dietmar Katz © tomas schmit archiv, Berlin
portugal-trilogie: frecher hut, 7.9.1999, Privatsammlung, Münster. © tomas schmit archiv, Berlin

john cage‘s fahrrad, tauchend, 29.4.2002, Privatsammlung, Hamburg. © tomas schmit archiv, Berlin
mistparadies 6, 1984, Privatsammlung, Köln. © tomas schmit archiv, Berlin
john cage‘s fahrrad, fliegend, 29.4.2002, Privatsammlung, Hamburg. © tomas schmit archiv, Berlin

portugal-trilogie: bisschen zukniepen, 10.9.1999, Privatsammlung, Münster. © tomas schmit archiv, Berlin
what do you mean by asking what do you mean said the wallpaper to the paperwall and there was no reply or two, 16.5.1993, Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York (TSZ 102). © tomas schmit archiv, Berlin
portugal-trilogie: pru portu, 17.9.1999, Privatsammlung, Münster. © tomas schmit archiv, Berlin

sockel zum raufkucken und sockel zum runterkucken, 1975, tomas schmit archiv, Berlin. © tomas schmit archiv, Berlin

NEUER BERLINER KUNSTVEREIN (N.B.K)
Tomas Schmit. Stücke, Aktionen, Dokumente 1962—1970
16 SEP 2021—23 JAN 2022
Eröffnung 15 SEP, 12—22 Uhr

KUPFERSTICHKABINETT BERLIN
sachen m a c h e n. Tomas Schmit: Zeichnung, Aktion, Sprache 1970—2006
15 SEP 2021—9 JAN 2022
Eröffnung 15 SEP, 10—18 Uhr

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