Nicht nichts sehen, sondern das Nichts sehen

Stephan Huber, Shining, 2001. Foto: Stephan Huber, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Während der Berlin Art Week widmet sich die Akademie der Künste in einer großangelegten Überblicksausstellung der Farbe Weiß in der bildenden Kunst und ihren verschiedenen Lesarten.

›Nothingtoseeness—Leere/Weiß/Stille‹—die von Anke Hervol und Wulf Herzogenrath kuratierte Ausstellung in der Akademie der Künste bedient sich schon im Titel bei einem der Säulenheiligen der Nachkriegsavantgarde, nämlich John Cage, von dem die etwas sperrige Formulierung einer ›Nichts-zu-Sehen-Heit‹ stammt, mit der er das visuelle Äquivalent akustischer Still umschreiben wollte. Und so beginnt die Ausstellung denn auch in den Jahren um die Mitte des letzten Jahrhunderts und spannt einen Bogen von den Experimenten, wie sie Künstler wie Ellsworth Kelly, Yves Klein oder Ulrich Erben damals betrieben, bis zu zeitgenössischen Arbeiten von Rosa Barba, Isaac Jullien, Qiu Shihua oder Christina Kubisch, um nur einige zu nennen. Ähnlich breit wie das künstlerische Spektrum gestaltet sich auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Farbe Weiß: Von der Stille über die Leere bis hin zu Weiß als Trauerfarbe, vom radikalen Neuanfang einer leeren Leinwand bis hin zu aktuellen Fragen von postkolonialer Kritik. Wir zeigen eine kleine Auswahl der Kunstwerke in der Ausstellung.

Rutherford Chang, We Buy White Albums, 2013—ongoing. © Rutherford Chang

Sara Masüger, Rijksmuseum 8th of October, 2003. Foto: Sara Masüger
Yves Klein, 1961, Museum Haus Lange, Foto: Bernward Wember. © The Estate of Yves Klein c/o ADAGP, Paris
Jan J. Schoonhoven, R 74-16, 1974, Privatsammlung Berlin. Fotograf: Eric Jobs, Hattingen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Sara Masüger, Rijksmuseum 8th of October, 2003. Foto: Sara Masüger
Christina Kubisch, Analysing silence, work in progress, Sonagramme des Wortes Stille in verschiedenen Sprachen. © Christina Kubisch / VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Robert Ryman, Untitled, 1971, Privatsammlung Berlin. Fotograf: Eric Jobs, Hattingen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Timm Ulrichs, Die weißen Flecken meiner Körper-Landschaft. Kenn-Zeichnung der mir niemals direkt sichtbaren Bereiche meines Körpers (Brust und Rückenaufnahme), 1968. Foto: Marli + Bert Schell, Wiesbaden, © Timm Ulrichs / VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Katharina Fritsch, Doktor, 1999. Foto: Nic Tenwiggenhorn, Düsseldorf, © Katharina Fritsch / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Karin Sander, Wandstück, 1992, Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach, permanente Installation. Foto: Werner Hannappel, © Karin Sander, VG Bild-Kunst, Bonn, 2021
Karin Sander, Wandstück, 2004, Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Ausstellungsansicht. Foto: Karin Sander, © Karin Sander, VG Bild-Kunst, Bonn, 2021
Raimund Kummer, Typus Morbus Purtcher – Leefilter 209, 3 Neutral Density, 2020. © Raimund Kummer / VG Bild-Kunst Bonn 2021

Ellsworth Kelly, Two Whites, 1959. © Ellsworth Kelly Foundation
Stephan Huber, Shining, 2001. Foto: Stephan Huber, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

AKADEMIE DER KÜNSTE
Nothingtoseeness—Leere/Weiß/Stille
15 SEP—12 DEC 2021
Eröffnung 15 SEP, 11—24 Uhr

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