Tom Woo

Tom Woo. © Marjorie Brunet Plaza

Der Galerist Thomas Woo über eierschalengelbe Leinwände, ›Talking Prices‹ und die Freiheit der Kunst

Woran arbeiten Sie gerade?
Wir haben viel vor! Neben den nächsten Galerieausstellungen mit Megan Marrin, Claudia Hill, Anne Speier und Aura Rosenberg sind wir diesen Herbst auf Kunstmessen in Basel, Paris, London und Köln vertreten.

Wer oder was hat Sie in Ihrer Arbeit beeinflusst?
Mich inspiriert vor allem die inhaltliche Auseinandersetzung mit unseren Künstler*innen und die Realisierung der Ausstellungen, aber auch das Umsetzen der strategischen Vision der Galerie, insbesondere was unsere langfristigen Pläne angeht. Im Alltag schätze ich den Austausch und die anregenden Gespräche mit Stavros, dem Mitbegründer der Galerie, Tenzing, dem Programmdirektor, und unserem Team.

Zu welchem Kunstwerk kehren Sie immer wieder zurück?
Zurzeit betrachte ich oft eine Arbeit von Monika Baer, die bei mir zuhause neben meinem Arbeitstisch hängt. Es ist eine eierschalengelbe Leinwand mit seitlich angebrachten Metallscharnieren. Die subtilen, reliefartigen Formen erinnern mich an eine archäologische Ausgrabungsstätte kurz vor einem bedeutenden Fund.

Was würden Sie machen, würden Sie nicht mit Kunst arbeiten?
Ehrlich gesagt kann ich mir gar nichts anderes mehr vorstellen (lacht). Das mit der Kunst ist schon viel zu weit fortgeschritten! Als Kind wollte ich unbedingt Architekt werden, was heute immer noch Sinn ergibt, denn der räumliche Aspekt von Kunstausstellungen und -betrachtung fasziniert mich besonders.

Was lesen oder hören Sie gerade?
Ich habe das Buch ›Talking Prices‹ von Olav Velthuis wieder zur Hand genommen, um mich daran zu erinnern, was er über die Mechanismen der Preisbildung sagt. Ich finde es spannend, darüber nachzudenken, wie der monetäre Wert von Kunst gestaltet wird.

Was muss Kunst heute Ihrer Meinung nach können?
Das tolle an der Kunst ist, dass Sie nichts leisten muss und trotzdem fast alles tun kann.

Welchem Aspekt der Prä-Pandemie-Welt weinen Sie eine Träne nach—und welchem nicht?
Ich vermisse maskenfreie Gesichter, spontane Handschläge und Umarmungen statt ungeschickter, zögernder Begrüßungen. Die Menschenmengen, die einem die Sicht auf die Kunstwerke versperren, vermisse ich nicht, obwohl mir die Menschentrauben bei unseren Eröffnungen und Veranstaltungen schon gefehlt haben.

Wenn Sie Ihre Arbeit auf einen Begriff bringen müssten—welcher wäre das?
Ich verbinde. Ich erleichtere es unserem Team, den Künstler*innen und anderen Mitarbeiter*innen, die Ziele zu erreichen, die wir anstreben.

Haben Sie ein tägliches Ritual?
Ich schließe meine Augen und atme, um meinen Herzrhythmus zu regulieren. Das räumt meinen Kopf auf und erleichtert das innere Gleichgewicht.

Worauf freuen Sie sich in nächster Zeit im Kunst- und Kulturbereich?
Ich freue mich darauf, wieder viel mehr Kunst live zu sehen—und wieder mehr in die Berliner Philharmonie und die Oper zu gehen.

EFREMIDIS
Megan Marrin. Compliance
4 SEP—17 OKT 2021
Sonderöffnungszeiten Berlin Art Week
17—19 SEP 2021, 11—19 Uhr

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