Foto: Adam Fearon

Guided Tour
Die Stadt ist nicht zu verkaufen

12 SEP, 17—02 Uhr Eintritt frei, Anmeldung erforderlich

Guided Tour von Arts of the Working Class

Wir treffen uns zuerst im Café Tiergarten zu Orientierung, Tee und Kuchen (17.00 Uhr) – ein Moment, um Perspektiven auszutauschen und die Stadt als Netzwerk von Begegnungen zu erfassen. Wir sprechen mit Nachbar*innen, Künstler*innen und Kurator*innen über die Nacht vor uns: Was bedeutet es, in einer Stadt unter Druck zu leben, und wie können künstlerische Gesten Überleben, Solidarität und Spekulation sichtbar machen? Wie die Aktivist*innen und Forscher*innen von Architects for Tempelhof betonen: Knappheit zerstört keine Solidarität, Wiederholung kann Möglichkeiten eröffnen, Dialog zeigt unsere im Konsum verborgene antikapitalistische Haltung.

Die Nacht entfaltet sich zwischen den Überresten von gestern und den Fantasien von morgen. Sie inszeniert einen Tanz der Ruinen – nicht die sterile Choreografie des Modells, sondern die Improvisation der Straße, wo Überfluss und Knappheit kollidieren und Überleben selbst Bewegung wird. Erste Station: Galli’s Pazienza bei Grotto, wo Fragilität als Kraftquelle fungiert. Wir treten in Dialog über Geduld und langsame Gesten, während Nachbar*innen Geschichten von Verfall und Erneuerung erzählen, und Kurator*innen Flüchtiges reflektieren, das der Dauerhaftigkeit widersteht.

Weiter geht es zum Pickle Bar (18.00 Uhr) für Selin Davasses Corpus Iuris Artis: III. The Appeals, in dem Choreografie zu Gesetz wird. Bei n.b.k. (13.00 Uhr) untersucht die Ausstellung mit Margarethe von Trotta, Nora Turato, Stephan Crasneanscki und Patti Smith Autorität über Medien hinweg. Film, Text und Performance streuen Narrative und zeigen, dass Archive und institutionelles Gedächtnis nie neutral sind, sondern stets umkämpft.

Wir schwingen uns auf die Fahrräder oder nehmen ein Uber zu Between Bridges (19.30 Uhr), wo Sofía Reyes ein Portal von Halluzinationen (Alucinación) eröffnet, während Wisrah C. V. da R. Celestino die Residency zu einem Training für queere Resilienz macht. Gespräche loten urbane Imaginationen, Strategien von Fürsorge und Überleben aus.

Refuge Worldwide präsentiert Humans in Transit, gibt Stimmen Raum, die sonst oft zum Schweigen gebracht werden – von Libyen bis ins zentrale Mittelmeer – und lädt die Gäste ein, sich über die Schichten von Migration und die Ethik der Repräsentation auszutauschen.

Die 36-köpfige Ausstellung Polyphonic Views, Teil des diesjährigen Spatial Festival im Funkhaus Berlin, erforscht Performance jenseits physischer Akte, nutzt Raum und Klang, um die Grenzen zwischen Kunstwerk und Publikum aufzulösen. Schließlich beschwört The Deluge (kuratiert von Lee Plested in Zusammenarbeit mit Matthias Krause Hamrin) bei Flutgraben Wasser als Zerstörung und Erneuerung. Gespräche beleuchten seine symbolische und materielle Präsenz, bevor die Afterparty mit From-Disco-to-Disco-Legende Eric D. Clark beginnt. Improvisation und Reflexion lassen den Abend nachklingen.

Immer wieder treten drei Dringlichkeiten hervor: Die ökologische Krise, sichtbar in Trümmern, Erschöpfung und den Nachleben von Materialien; die prekäre Lage künstlerischer Arbeit, spürbar in Gesten der Fragilität und Ausdauer; die kollektive Vorstellungskraft, die nötig ist, um Zukünfte jenseits exklusiver Logiken zu gestalten.

 

Termine

Fr, 12 SEP, 17—02 Uhr

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