Foto: Adam Fearon

Guided Tour
Pessimismus des Modells, Optimismus der Straße

11 SEP, 13—23 Uhr Eintritt frei, Anmeldung erforderlich

Guided Tour von Arts of the Working Class

Wir treffen uns in der Bar Internationale für Pizza und eine Einführung (13.00 Uhr), bevor wir uns auf einen zehnstündigen Parcours begeben, der von Mitte über Charlottenburg nach Kreuzberg und Schöneberg führt. Sich so intensiv auf diese Gallery Night einzulassen heißt, ein Modell zu zerlegen: die Wiederholung von Eröffnungen, den zur Notwendigkeit stilisierten Profit. Gemeinsam zu flanieren bedeutet, den Unterbrechungen der Straße zu begegnen, wo Gesten Konformität sprengen und ihren eigenen Rhythmus behaupten.

Wir beginnen in Mitte, wo das Modell am stärksten kodifiziert erscheint – und zugleich auf sein Spiegelbild trifft. Andrea Fraser bei Nagel Draxler macht die Institution selbst zum Thema. Matti Braun bei BQ verwebt stille Materialien zu transkulturellen Welten. Daniel Hölzl bei Dittrich & Schlechtriem legt das Gerüst der Ausstellung offen. Bei neugerriemschneider entfalten Thilo Heinzmann, Michel Majerus und Ho Tzu Nyen Spannungen zwischen Geste, Archiv und Mythos. Ulrike Theusner und Allistair Walter bei Eigen+Art treiben Figuration an ihre Grenzen. Louis Fratino bei Neu inszeniert Intimität als Beharrlichkeit. Andrea Zittel bei Sprüth Magers formt Leben zu bewohnbarer Architekturmit all ihren Verheißungen und Ausschlüssen.

Dann führt uns der Weg nach Wedding, geprägt von Verdrängung wie Neuerfindung: Mischa Leinkauf bei Alexander Levy greift in die Ströme der Stadt ein, André Masson bei Levy Galerie verschiebt Landkarten mit psychischen Terrains, und Arhun Aksakal bei Ebensperger zerlegt Narrative.

In Charlottenburg tragen Maßstab und Kanon Gewicht, doch ihr Anspruch bleibt umstritten. Neu in der Stadt, seit Langem im Geschäft: Wir besuchen die Ausstellung zur allerersten Berliner Eröffnung der Galerie Max Mayer mit Ei Arakawa, der Performance in eine volatile Grammatik der Beziehung verwandelt. Eine Gruppenausstellung bei Société vervielfacht die Gegenwart. Katharina Grosse und Grace Weaver bei Max Hetzler sättigen Oberfläche und Haltung. Robert Colescott und Christelle Oyiri bei Buchholz stellen Satire gegen Erinnerung. Julia Irlinger und Dan Walsh bei Thomas Schulte dehnen Abstraktion zu räumlicher Grammatik. Thomas Zipp und Carrie Mae Weems bei Barbara Thumm verknüpfen Psychiatrie, Rasse und Geschichte zu einem aufgeladenen Dialog. Bei Tanja Wagner bringt eine Gruppenausstellung Fürsorge als Methode, Widerstand als Form.

In Kreuzberg bleibt der Optimismus der Straße hörbar: eine Gruppenausstellung bei Heidi als flüchtiger Chor; Jesse Darling bei Molitor mit prekären Infrastrukturen; Adam Pendleton bei Pace mit subtiler Poetik; und Monsieur Zohore bei KOW, der Humor in eine Waffe verwandelt. Pieter Schoolwerth bei Kraupa-Tuskany Zeidler bricht die Figuration auf. Carolyn Lazard bei Trautwein Herleth denkt neu, was als Ressource gelten kann. Schließlich erreichen wir ChertLüddemit Ausstellungen jenseits des offiziellen Berlin Art Week-Programms.

Immer wieder kehren drei Dringlichkeiten zurück: Verdrängung durch Spekulation; Unsichtbarkeit von Arbeit; Der Kampf um Besitz – von Raum, Erinnerung und Zukunft.

 

Termine

Do, 11 SEP, 13—23 Uhr

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