Während der Berlin Art Week ist ihre Einzelausstellung ›Sewing‹ in der Miettinen Collection Berlin zu sehen. Mit dem Projekt startet zugleich eine Initiative, die 100.000 Euro für Frauenhäuser in Berlin sammeln soll: 200 Pfeile werden in Editionen verwandelt und zum Verkauf angeboten.
Gibt es ein tägliches Ritual, das Ihnen Struktur oder Inspiration gibt?
Ich schieße Bogen. Ich liebe die Spannung und die überraschende Sanftheit des Loslassens. Beides steckt für mich darin.
Was würden Sie tun, wenn Zeit, Geld und andere Ressourcen keine Rolle spielen würden?
Wahrscheinlich würde ich mich ziemlich schnell fürchterlich langweilen. Ich liebe einen guten Hustle—der hält mich aufmerksam.
Auf der anderen Seite könnte ich größere Projekte verwirklichen, die ich schon lange in mir trage. Zum Beispiel einen überlebensgroßen Startblock im öffentlichen Raum. Wenn man darunter steht, könnte man dieses kleine Wunder ganz körperlich erleben: dass wir fähig sind, etwas Neues in die Welt zu setzen—ganz im Sinne von Hannah Arendt. Und gleichzeitig eben auch dieses: Fuck, so einfach ist es eben nicht, immer wieder neu anzutreten und aufzubrechen.
Gab es ein Buch, das Ihre Sichtweise nachhaltig verändert hat—und warum würden Sie es weiterempfehlen?
Eigentlich fast alles von Maggie Nelson. Dieses krass poetische, genaue Hinschauen. Punk, zärtlich und wirklich verdammt klug. Sie zieht Persönliches, Politisches und Philosophisches zusammen, ohne die Widersprüche dabei auflösen zu wollen.
Was hätten Sie gerne früher gewusst?
Dass in Ungewissheit Kraft liegt.
Wo tanken Sie Kraft?
In meiner Arbeit. Meine Praxis zieht mich immer wieder über das hinaus, was ich schon kenne.
Welches Kunstwerk hätten Sie gern bei sich zu Hause?
Malerei packt mich selten. Aber Miriam Cahns Bilder tun es. Ich würde so gerne mit ihrem unverstellten Blick auf das zugleich Brutale und Zärtliche im Menschen leben.
Welcher Ausstellungsort in Berlin inspiriert Sie?
Hamburger Bahnhof, Neue Nationalgalerie, die Kapelle auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof mit der fantastischen Lichtinstallation von James Turrell—und die fast utopischen Mahalla-Hallen.
Was fasziniert Sie an Berlin?
Hier sind irre tolle Menschen.
Auf welchen Gegenstand können Sie nicht verzichten?
Hot Sauce.
Was treibt Sie an?
Im Moment will ich 100.000 Euro für Berliner Frauenhäuser zusammenbringen. Mich treibt dabei die Frage um, wie man auf Gewalt antworten kann, ohne selbst in ihre Logik zu kippen—wie man die Spirale unterbricht, statt sie weiterzudrehen. Dafür bauen wir 200 Pfeile in Nadeln um. Aus einer Waffe wird ein Werkzeug, das verbindet und repariert. Die Nadeln werden mit Stoffen aus meiner Familie versehen. Der Startschuss für die Edition fällt während der Berlin Art Week in meiner Ausstellung SEWING in der Miettinen Collection.
Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gern ein Gespräch führen—und worüber würden Sie sprechen?
Mit jemandem aus einer zukünftigen Generation. Ich würde gerne wissen, was sie am unvollständigen Projekt des Menschseins herausfordernd und inspirierend finden—und wie sie auf unsere Zeit zurückblicken würden.
Worauf freuen Sie sich, wenn ein Arbeitstag zu Ende geht?
Tut er das?