Udo Kittelmann

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Udo Kittelmann, Foto: CTphotography

Kurator Udo Kittelmann erzählt, welche Bücher ihn prägten und worauf es im Leben wirklich ankommt.

Im Rahmen der Berlin Art Week 2026 zeigt Passage am Hermannplatz die neue Videoinstallation ›Fly on Amanita‹ von Carsten Höller, kuratiert von Udo Kittelmann.

Gibt es ein tägliches Ritual, das Ihnen Struktur oder Inspiration gibt?
Vor allem meine beiden neunjährigen Kinder geben mir ein tägliches Ritual vor und sind die wunderbarste alltägliche Inspiration für mich.

Was würden Sie tun, wenn Zeit, Geld und andere Ressourcen keine Rolle spielen würden?
Auch im Rückblick stelle ich fest, dass ich wohl das große Glück hatte, immer das zu tun, wozu ich Lust verspürte oder sich für mich als eine neue kreative Herausforderung darstellte. Und das ist auch gegenwärtig noch so. Aber ich wünschte mir natürlich mehr Zeit für meine Familie und für die wirklich guten Freunde. Darin muss ich noch besser werden.

Gab es ein Buch, das Ihre Sichtweise nachhaltig verändert hat—und warum würden Sie es weiterempfehlen?
Nein, das eine Buch gab es nicht, es sind so viele, die sicherlich mein Denken und auch mein Fühlen beeinflusst haben. Ganz am Anfang stand aber wahrscheinlich ›Der 35. Mai‹ von Erich Kästner, dann viel später Thomas Manns Tonio Kröger‹, gleich gefolgt von Lawrence Sterns ›Tristram Shandy‹ und immer wieder alles von Kafka. In jüngster Zeit sind es dann eher sogar Sachbücher wie aktuell ›Cyberpunk‹ von Asma Mhalla.

Was hätten Sie gerne früher gewusst?
Auf was es im Leben wirklich ankommt! Die Literatur, mehr noch die Kunst, sind dann letztlich doch nur ein, wenn auch wunderbares und mir immer willkommen gewesenes Vehikel zum annähernden Verständnis der Komplexität eines Menschenlebens. Das Leben führt seine ganz eigenen Wege zu einer größeren Zufriedenheit und inneren Ruhe. Und je früher man diese erkennt, desto besser natürlich.

Wo tanken Sie Kraft?
Wenn ich das einmal genau sste! Über welche Kräfte sprechen wir hier überhaupt? Aber sicherlich bei der Familie und zunehmend im Glauben daran, dass es keine Zufälle gibt.

Welches Kunstwerk hätten Sie gern bei sich zu Hause?
Ich habe in der Vergangenheit mehrmals mit On Kawara eng an Ausstellungsprojekten arbeiten dürfen. Das war schon ein großes Geschenk! Aber wenn ich mir jetzt ein einzelnes Bild wünschen dürfte, würde ich mich für ein ›Date Painting, gleich welchen Datums, von On Kawara entscheiden. Oder ein Bild von Seffa Klein, deren Werk ich erst jüngst in Los Angeles kennenlernte und das mich sehr beeindruckt hat.

Welcher Ausstellungsort in Berlin inspiriert Sie?
Es ist nicht so sehr ein bestimmter Ausstellungsort. Es sind doch immer nur einzelne Ausstellungen, vor allen Dingen mit einzelnen Künstlern, die mich inspirieren.

Was fasziniert Sie an Berlin?
Dass jeder Tag wieder etwas Unerwartetes bereithält, seien es überraschende neue Begegnungen oder andere Ereignisse, sehr gerne auch mir zunächst völlig unverständliche und absurde. Kurz gesagt: Berlin hält mich einfach wach und umtriebig.

Auf welchen Gegenstand können Sie nicht verzichten?
Bücher! Und immer wieder Bücher und zwar aus allen Epochen.

Was treibt Sie an?
Neugierde!

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gern ein Gespräch führen—und worüber würden Sie sprechen?
Gerade aktuell in Vorbereitung auf mein Projekt mit Çağla Ilk für das Maxim Gorki Theater würde ich gerne mit Samuel Beckett, wenn er noch lebte, ausgiebig sprechen wollen und zwar über seinen Besuch in Berlin im November 1936 und allgemein über die Absurdität und Unberechenbarkeit von Zeit und Menschen.

Worauf freuen Sie sich, wenn ein Arbeitstag zu Ende geht?
Meistens schon auf den nächsten Tag!

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