André Derain—Modell für Malerei
Im Rahmen der Gallery Night
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Hardenbergstraße 9A, 10623 Berlin
Eröffnung zur Gallery Night
Donnerstag, 10 SEP 2026, 18—22 Uhr
Ende des 19. Jahrhunderts setzt sich in Paris eine ebenso schlichte wie folgenreiche Erkenntnis durch. Malerei ist zunächst nichts anderes als Farbe auf der Leinwand. André Derain (1880—1954) gehört zu den Ersten, die aus dieser befreienden Einsicht künstlerische Konsequenzen ziehen. Als Fauvist genießt er an der Seite von Matisse die Freiheit, mit Traditionen zu brechen. Bald setzt diese Lust die Avantgarden der folgenden Jahrzehnte in Bewegung. Doch Derain bleibt nicht bei der Revolte. Weil er ihre Einsatzmöglichkeiten aus eigener Erfahrung kennt, kann er die internationalen Brigaden der Ismenreiterei ziehen lassen. Der in Paris geborene Malerbildhauer interessiert sich für glaubhafte Rückbindungen an die Tradition mehr als für deren Abschaffung. Während die Kubisten die ›Formzertrümmerung‹ ausbuchstabieren, arbeitet er bereits an der Wiedergewinnung des Bildes. In Derain findet die große französische Malereitradition ihr Medium—nicht, um sie zu restaurieren, sondern um sie zu transformieren. Zur École de Paris steht er als deren graue Eminenz in Distanz. Über Degas bindet er seine Figuren an Ingres zurück, ohne dabei die Errungenschaften eines Cézanne zu vernachlässigen. Von dort führt der Weg weiter zur römischen Antike, zur mittelalterlichen Kirchenmalerei und zur italienischen Renaissance. Während Picasso zunehmend die Inspiration des Augenblicks zelebriert, schlägt Derain umso dunklere Saiten des Dauernden an. Aus Zeichnungen, Gemälden, Plastiken und Bühnenbildentwürfen entsteht ein Œuvre, das sich bis heute einer kunstgeschichtlichen Einordnung widersetzt. Mit Alberto Giacometti und Balthus befreundet, erarbeitet Derain das Menschenbild einer Zeit, die ein solches verloren zu haben glaubte. In der Monumentalität selbst seiner kleinformatigen Bilder zeigt sich ein Unterschied, der für die Bewertung ausschlaggebend ist. Er liegt in der Qualität des Traditionsbezugs. An einer Tradition lediglich festzuhalten, bedeutet, sie stillzustellen. Diese Erstarrung führt zum Kitsch. Wer jedoch, wie Derain, eine große Tradition fortsetzt, erzielt die gewünschte Irritation. Er leistet das, wozu den deutschen Expressionisten die Kraft gefehlt hat. An seinen Bildern zerschellt ein Fortschrittsbegriff, der inzwischen selbst zum Klischee erstarrt ist und nur noch Klischees hervorbringt. Derains Haltung zur Tradition wird zum Modell für jene Maler, die sie nach seinem Tod aufgegriffen haben oder noch aufgreifen werden.
Die Ausstellung André Derain—Modell für Malerei öffnet am 10 SEP 2026 für das Publikum und wird bis zum 7 SEP dieses Jahres zu sehen sein.
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Mėta Valiušaitytė, Danièle Cohn und Alberto Giacometti.
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