Der Titel ›Rhizome‹ bezieht sich auf das von Gilles Deleuze und Félix Guattari entwickelte philosophische Konzept. Im Gegensatz zu einem Baum, der aus einer einzigen Wurzel wächst und einer klaren Hierarchie folgt, entwickelt sich ein Rhizom gleichzeitig in viele Richtungen. Jeder Punkt kann mit einem anderen verbunden sein, ohne festen Anfang oder Endpunkt. In Bezug auf die Kunst deutet diese Idee auf eine offene Struktur hin, in der Bilder, Gedanken, Erinnerungen und Bezüge unerwartete Verbindungen eingehen. Książeks Ausstellung folgt diesem Prinzip: Jedes Werk bewahrt seine Eigenständigkeit und wird zugleich Teil eines umfassenderen Netzwerks von Ideen.
Die Schwarz-Weiß-Zeichnungen der Serie ›Narration‹ verbinden Bild und Text. Fragmente von Körpern, Gesichtern, mechanischen Formen, Texturen und undefinierten Landschaften bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion. Sie wirken fast wie Bilder, die aus der Erinnerung oder einem unbewussten Archiv hervorgeholt wurden und zwischen Wiedererkennung und Verschwinden schweben. Die begleitenden Texte erklären oder beschreiben die Bilder nicht. Stattdessen existieren Worte und Bilder als parallele Denkformen, die sich gelegentlich begegnen und gegenseitig beeinflussen, dabei jedoch ihre Unabhängigkeit bewahren.
Die Gemälde vermitteln seine facettenreiche malerische Sprache und zeugen von Książeks bemerkenswerter Beherrschung des Mediums. Aufgebaut aus Schichten durchscheinender Farben, verschwommener Konturen und subtiler Lichtveränderungen, bewegen sich die Bilder mühelos zwischen präziser Beobachtung und Beinahe-Abstraktion. Książek betrachtet jedes Werk als malerische Herausforderung und wählt oft Motive, die besonders schwer darzustellen sind. Flammen, Gesichter und Alltagsgegenstände tauchen aus dunklen, atmosphärischen Flächen auf, um sich dann wieder in der Farbe aufzulösen. Seine außergewöhnliche Sensibilität für Licht und die physische Bewegung der Farbe verleihen den Werken eine fast filmische Intensität.
In Bezugnahme auf die Traditionen der Konzeptkunst sowie der Nachkriegskunst untersucht Książek die Beziehung zwischen Bild, Sprache und Denken. Seine Praxis steht im Einklang mit Künstlern, die hinterfragt haben, wie Bedeutung durch Worte und Bilder erzeugt werden kann, von Joseph Kosuth und Art & Language bis hin zu Anselm Kiefer. Wie William Kentridge betrachtet Książek das Zeichnen als eine Form des Denkens. Seine Arbeit ist jedoch weniger narrativ oder performativ, sondern entwickelt sich vielmehr durch Stille, Beobachtung und die langsame Ansammlung von Assoziationen.
In ›Rhizome‹ verflechten sich Sehen und Lesen, doch keines von beiden liefert eine endgültige Antwort. Die Ausstellung bleibt bewusst offen: eine Sammlung von Ideen ohne vorgegebene Reihenfolge, die den Betrachter dazu einlädt, sich frei zwischen Bildern, Worten und deren Assoziationen zu bewegen.