Dieser Artikel erschien zuerst in unserer limitierten Jubiläums-Printpublikation 15 YEARS BERLIN ART WEEK.
»Am liebsten schaue ich auf letztes Jahr zurück: 15 Jahre Galerie Tanja Wagner, gefeiert mitten in der Berlin Art Week. Was ich mit dieser Woche verbinde, ist genau das, was sie ausmacht—Offenheit, Neugier, Zusammenkommen. Für mich ist sie einer der wichtigsten Termine im Berliner Kunstkalender: Die Kulturorte öffnen ihre Türen, und man erlebt die Stadt in ihrer ganzen Vielfalt. Ich wünsche mir, dass diese Offenheit bleibt—und dass Berlin auch in Zukunft der Ort ist, an dem Kunst Räume und Menschen verbindet.«
—Tanja Wagner, Galerie Tanja Wagner
»2016 war ich mit meiner damaligen Projektinitiative ›TACHO‹ bei der Präsentation der Preisträger*innen der Auszeichnung künstlerischer Projekträume und -initiativen im Rahmen der Berlin Art Week vertreten. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Fahrradtouren zu den Projekträumen, die vom Netzwerk freier Berliner Projekträume organisiert wurden. Sie bringen Stadt, Kiez und bildende Kunst nachhaltig zusammen. Die Berlin Art Week macht gerade die Nischen der freien Szene sichtbar und stärkt damit Projekträume und Initiativen, die Berlin als Kunststadt seit vielen Jahren prägen.«
—Christof Zwiener, Netzwerk freier Berliner Projekträume und -initiativen
»Die Berlin Art Week 2020 und 2021 sind mir in besonders lebhafter Erinnerung geblieben: Sie markierten den Anfang meiner Zeit als künstlerische Direktorin des KINDL, und zwischen pandemischer Tristesse und Aufbruchstimmung ist uns—auch dank der Unterstützung der BAW—2020 eine mitreißende, bombastische Eröffnung gelungen, mit Nik Nowak, Lerato Shadi, Ann Oren und der Gruppenausstellung ›The Invented History‹. 2021 wurde das Ganze dann noch gekrönt durch den Berlin Art Week Garden auf unserem Gelände, mit Sol Caleros wunderbarer begehbarer Installation.«
—Kathrin Becker, Kindl—Zentrum für zeitgenössische Kunst
»Eines meiner Highlights war die Eröffnung 2015, für die wir mit einer Gruppe von Freiwilligen und 12,5 Tonnen Eis Allan Kaprows ›Happening Fluids‹ auf der Terrasse der Neuen Nationalgalerie aufbauten. Das Eis war zunächst opak, wurde dann durchsichtig und veränderte sich über die ganze Art Week wunderschön weiter. Der besondere, kollektive Moment, aber auch das Flüchtige von Kunstausstellungen war in dieser Arbeit besonders eindrücklich spürbar. Vielleicht ist das auch die Zusammenfassung der Berlin Art Week, die jedes Jahr so viele wunderbare Ausstellungen von so vielen unterschiedlichen Playern verbindet. Beides ist und bleibt essenziell für Berlin.«
—Lisa Marei Schmidt, Brücke Museum
»Wir waren von Anfang an dabei und haben die großartige Entwicklung der Berlin Art Week über die Jahre hinweg verfolgt. Für uns war es ein besonderes Highlight, als wir genau vor zehn Jahren die Eröffnung im Kino International mit unseren Arbeiten begleiten durften: In den Schaukästen draußen waren Videos von Bruce Nauman zu sehen, und im Kinosaal lief die ganze Nacht über ein kurzweiliges Videoprogramm, das viele Besucherinnen und Besucher anzog—auch noch lange nach Mitternacht.«
—Barbara und Axel Haubrok, Haubrok Foundation
»Seit vielen Jahren markiert die Berlin Art Week für C/O Berlin im September den Auftakt unserer wichtigsten Ausstellungssaison. Jedes Jahr rückt sie die zeitgenössische Kunst in Berlin in den Mittelpunkt und bringt Menschen aus der Stadt und der ganzen Welt zusammen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Eröffnung unserer Ausstellung ›Träum weiter—Berlin, die 90er‹ im Jahr 2024, die zur erfolgreichsten Ausstellung in der Geschichte von C/O Berlin wurde. Ich freue mich auf viele weitere Jahre, in denen das Festival Menschen, Orte und künstlerische Positionen in Berlin zusammenbringt.«
—Stephan Erfurt, C/O Berlin
»Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir die Performance Night, die Cathrin Hoffmann und ich 2025 im Wrangelkiez veranstaltet haben und bei der es sich für einen Abend so angefühlt hat, als wäre es wieder 1999 und alles möglich. Insgesamt fühlt sich die Berlin Art Week wie tagelanger Sozial-Extremsport in einem Waldorfkindergarten an—I love it! Ich wünsche dem Festival, dass es so viel Förderung bekommt, dass genügend Budget und Raum für Experimente und Subkultur da sind. Denn ohne das Seltsame, Scheiternde und Randständige, bei dem man sich fragt: »Ist das Kunst oder Müll?«, wird aus einer Kunstmetropole irgendwann nur noch durchgentrifizierte Dekoration.«
—Sophia Süßmilch, Künstlerin
»Die Berlin Art Week steht für mich wie kaum eine andere Veranstaltung für das kreative, weltoffene und internationale Berlin. Besonders gerne denke ich an die Eröffnung 2025 auf der Treppe des Hamburger Bahnhofs zurück. Ein weiteres Highlight war der Besuch der Feuerle Collection—ein beeindruckender Ort, den ich als Berliner lange nicht so im Blick hatte. Die Berlin Art Week zeigt jedes Jahr, wie Kunst Menschen verbindet und neue Perspektiven eröffnet. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Kultur auch in Zeiten knapper Kassen den Stellenwert behält, den sie für das Miteinander in unserer Stadt hat.«
—Carsten Jung, Vorstandvorsitzender, Berliner Volksbank eG
»Im September 2022, meinem ersten Jahr in Berlin, wurden unsere lange Tafel am Kulturforum, das ›Perform!‹ Festival, initiiert von der Neuen Nationalgalerie und der dortige Berlin Art Week Garten zu einem großartigen Kunstfest. Das war für mich ein wichtiger Moment, denn ich komme aus einem kleinen Dorf, in dem es keine Museen gibt und Kunst kaum eine Rolle spielt. Aber einmal im Sommer gab es ein Kunstfestival—und plötzlich kam die Kunst zu uns. Diese Kindheitserfahrung hat mich sehr geprägt. Die Atmosphäre von Kunstfestivals hat etwas so Einladendes, ohne jede Schwelle, etwas Ansteckendes wo sich plötzlich Horizonte öffnen, wer Kunst einmal so direkt erlebt hat, wird danach anders denken.«
—Klaus Biesenbach, Neue Nationalgalerie
»Für mich unvergesslich: die Performance von ›VENUS‹ vor der Neuen Nationalgalerie zur Eröffnung der Berlin Art Week 2023. Durch die schiere Größe und die Energie des Publikums habe ich die Dramaturgie spontan live angepasst. Die Berlin Art Week zeigt, wie offen Berlin für Experimente und den spartenübergreifenden künstlerischen Austausch ist. Ich hoffe, dass die Stadt auch weiterhin unabhängige künstlerische Praktiken und ambitionierte Live-Performances ebenso fördert wie Ausstellungen.
Die Berlin Art Week ist der Moment, in dem sich die künstlerische Energie der Stadt in ihrer intensivsten Form erleben lässt. Es geht weniger darum, alles zu sehen, als vielmehr darum, unerwartete Verbindungen zwischen Menschen, Orten und künstlerischen Praktiken zu entdecken.«
—Göksu Kunak, Künstler*in
»Ein besonderer Berlin Art Week-Moment war für mich, als wir 2024 Rirkrit Tiravanijas große Einzelausstellung im Rahmen der BAW eröffnet haben—mit Cooking Sessions, Tischtennis und Karaoke im Lichthof. Es war laut, lebendig, voller Energie und unerwarteter Begegnungen: genau das, was ich mir für den Gropius Bau vorstelle. Die Berlin Art Week schafft viele solcher Augenblicke und zeigt, was Berlin als Kunststadt ausmacht: Offenheit, Neugier, Vielstimmigkeit und eine faszinierende lokale Kunstszene.«
—Jenny Schlenzka, Gropius Bau
»Ich erinnere mich immer besonders gerne an das Projekt zu Gisèle Vienne zurück, welches das Georg Kolbe Museum mit dem Haus am Waldsee und den Sophiensaelen 2024 organisiert hat—und das dann auch prompt zu einer der besten Ausstellungen des Jahres in Europa gewählt wurde. Der Senat unterstützte hier mit einer Sonderförderung zum letzten Mal Kooperationen zwischen Berliner Institutionen, die etwas außerhalb des Zentrums liegen und gemeinsam innovative und genreübergreifende Formate realisieren wollten. Gerade in diesem Sinne ist die Art Week auch sehr wichtig für Berlin, denn ein breit gemischtes Publikum kann so Kunsträume entdecken, die für sie neu sind, die sie vielleicht noch nie besucht haben, oder die mit Veranstaltungen einladen ihr Programm neu zu sehen.
Neben dem Gallery Weekend im Frühling oder der alle zwei Jahre stattfindenden Biennale ist die Art Week ein zentrales Datum, um die Berliner Institutionen zu besuchen und zu sehen, wo sie stehen und was sie inhaltlich zeigen. Berlin steht immer noch für eine herausragende Kunstlandschaft in Europa und weltweit. Die Berlin Art Week macht das sichtbar und ich hoffe auf spannende Ausgaben in den kommenden Jahren.«
—Kathleen Reinhardt, Georg Kolbe Museum
»Meine Highlights 2025: Tauba Auerbachs erste Ausstellung bei Esther Schipper—einer Künstlerin, mit der ich seit Langem eng im Austausch bin und mit der ich wahnsinnig gerne Zeit in Berlin verbracht habe—sowie Mark Leckys brillant kuratierte, faszinierend-unheimliche und eindringliche Ausstellung in der Julia Stoschek Stiftung. Die Art Week Woche bringt internationale Gäste und die lokale Szene zusammen—spannende und ereignisreiche Tage für die ganze Stadt. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Berlin genau diese Begeisterung, Offenheit und diesen Mut bewahrt, um Räume für künstlerische Freiheit zu schützen.«
—Emma Enderby, KW Institute for Contemporary Art
»Seit 2022 habe ich jedes Jahr mit meinem Projektraum „Die Möglichkeit einer Insel“ im Feature Programm der Berlin Art Week teilgenommen. Ich fand alle Eröffnungsveranstaltungen, den Garten, sehr schön. Das Highlight war für mich 2025 die Eröffnung der Show „Industrial Witchcraft“ konzipiert von Oliver Körner von Gustorf. Ich verbinde damit tatsächlich eine Art Odyssee durch bürokratische See: Es tatsächlich geschafft zu haben, eine Arbeit eines Bandmitglieds von Throbbing Gristle aus Great Britain durch all die Zollhürden zu bekommen.
Ich finde die Berlin Art Week im Gegensatz zum Gallery Weekend wesentlich niedrigschwelliger im Zugang, viel toleranter einem interessierten Publikum zugewandt, herzlicher. Ich wünsche mir, dass das so bleibt.
The Feature Section is a must!«
—Stephanie Kloss, Künstlerin
15 YEARS BERLIN ART WEEK
Das limitierte Booklet zum 15. Jubiläum der Berlin Art Week zeichnet auf 128 Seiten in Essays, Interviews und Bildstrecken die Entwicklung der Berlin Art Week in den vergangenen 15 Jahren nach, wirft einen Blick auf den Status quo und wagt einen Ausblick auf die Zukunft der Kunststadt Berlin. Mehr als 50 Stimmen aus der Berliner Kunstszene teilen ihre persönlichen Perspektiven.