In den 1960er Jahren waren es Materialien wie Polyester, Plexiglas, PVC und Aluminium, während Walter Pichler später auf organische Werkstoffe zurückgriff: Metall, Blei, Holz, Beton, Ziegel, Lehm, Glas und Bronze. Aus diesen Werkstoffen schuf Walter Pichler sein einzigartiges Universum aus Zeichnungen, Modellen, Skulpturen und Häusern. Die Zeichnung war Pichler ein bevorzugtes Medium, denn sie diente ihm als Projektionsebene seiner Vorstellung. Doch vollzog er seine künstlerische Arbeit nicht nur am Papier oder Modell, sondern setzte sie oft in jahrelanger Arbeit in Realität um. Stringent und räumlich ordnend ging Pichler an die Verwirklichung seiner bildhauerischen Vision heran. Zeichnend näherte er sich seinen Plastiken und entwarf für diese auch Räume und Häuser. Seine Kunstwerke sind integraler Bestandteil der Häuser und finden somit in ihnen die ideale Fortsetzung. Damit ist in seinen Arbeiten der Bezug zur Architektur immanent.
Seit 1972 ist St. Martin im Burgenland der Ort für sein architektonisches Gesamtkunstwerk: Zwei Häuser sollten es ursprünglich werden, doch neben Wohnhaus und Werkstatt entstand eine Reihe von Behausungen für seine Skulpturen; schließlich wurden es sieben. Diese schlichten Behausungen—meist aus Holz oder Ziegeln—dienen ausschließlich dem Zweck, die Skulpturen zu beherbergen. Pichler unterschied nicht zwischen Raum und Skulptur; nur als Einheit sind sie zu betrachten. Seine äußerst persönliche Beziehung zu seinen Skulpturen hielt den Künstler lange davon ab, diese zu verkaufen oder an Museen abzugeben.
Anlässlich der Berlin Art Week widmet Contemporary Fine Arts Walter Pichler ›Zeichnungen und Skulpturen‹, eine Ausstellung mit Werken aus verschiedenen Schaffensphasen. Die Präsentation bietet einen konzentrierten Einblick in das vielschichtige Werk eines Künstlers, dessen Auseinandersetzung mit Skulptur, Architektur und Raum bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren hat.
Walter Pichler wurde am 1. Oktober 1936 in Deutschnofen, Südtirol, geboren. Er lebte und arbeitete in Wien und St. Martin an der Raab. Er studierte an der Kunstgewerbeschule in Innsbruck und an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Schon früh wurden seine Werke in renommierten internationalen Museen ausgestellt, darunter 1967 und 1975 im Museum of Modern Art in New York, 1968 auf der Documenta 4 in Kassel, 1982 im Österreichischen Pavillon auf der 40. Biennale in Venedig, 1978 im Städel Museum in Frankfurt am Main, 1988 und 2011 im MAK—Museum für Angewandte Kunst in Wien in den Jahren 1988 und 2011, in der Generali Foundation in Wien im Jahr 1998, im Stedelijk Museum in Amsterdam im Jahr 1998, im Museum der Moderne in Salzburg im Jahr 2016, im Belvedere in Wien im Jahr 2023 sowie in den Kunstmuseen Krefeld im Jahr 2024. Wien im Jahr 2023 und die Kunstmuseen Krefeld im Jahr 2024. Pichler starb 2012 in St. Martin an der Raab.