Ersan Mondtag

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Ersan Mondtag. Courtesy DITTRICH & SCHLECHTRIEM, Berlin, Foto: Lukas Städler, VG Bild-Kunst, Bonn, 2026

Museum, Friedhof und Nachtclub in einem: Regisseur und Künstler Ersan Mondtag teilt seine Vision eines ganz besonderen Gebäudes.

Während der Berlin Art Week 2026 inszenieren Ersan Mondtag und Nadim Samman in der Gemäldegalerie eine Berliner Vanitas im Dialog mit lebenden und verstorbenen Alten Meistern. Gleichzeitig präsentiert Dittrich & Schlechtriem  ›Dispair‹, die erste Einzelausstellung des Künstlers in der Galerie, die im Rahmen der Gallery Night am 10 SEP eröffnet.

Gibt es ein tägliches Ritual, das Ihnen Struktur oder Inspiration gibt?
Türkischer Kaffee (oftmals im Neuköllner Café meiner Schwester), frisches Obst, dann die Mails. In dieser Reihenfolge. Alles andere wäre unzivilisiert.

Was würden Sie tun, wenn Zeit, Geld und andere Ressourcen keine Rolle spielen würden?
Ich würde mitten in Berlin ein schiefes Gebäude errichten und alle hässlichen Häuser darum verschwinden lassen. Es wäre Museum, Friedhof und Nachtclub zugleich. Der schönste Ort der Stadt. Dort sollen einmal die Menschen begraben werden, die mein Leben geprägt haben. Und irgendwann ich selbst. Im Keller wäre ein großer Club mit einem Darkroom. Der Club wäre die Herzkammer des Friedhofs.

Gab es ein Buch, das Ihre Sichtweise nachhaltig verändert hat—und warum würden Sie es weiterempfehlen?
Die Bücher von Édouard Louis, weil sie zeigen, wie schonungslos Herkunft und Begehren ineinandergreifen können.

Was hätten Sie gerne früher gewusst?
Vieles. Aber im Nachhinein ist man ja immer schlauer, oder?

Wo tanken Sie Kraft?
Beim Spazierengehen durch Berlin und in der queeren Bar Ficken3000. Leider habe ich für zweiteres viel zu wenig Zeit.

Welches Kunstwerk hätten Sie gern bei sich zu Hause?
Ich habe neulich Arbeiten sehr junger Künstler*innen gekauft, meist Menschen, denen ich persönlich begegnet bin. Das ist mir lieber als jede Ikone.

Welcher Ausstellungsort in Berlin inspiriert Sie?
Die Neue Nationalgalerie, die KW und natürlich die Gemäldegalerie—drei völlig unterschiedliche Häuser und Sammlungen (ok, das KW hat keine eigene Sammlung, macht aber geniale Ausstellungen), mit Zeit umzugehen.

Was fasziniert Sie an Berlin?
Dass sich die Welt hier trifft.

Auf welchen Gegenstand können Sie nicht verzichten?
Meine Sonnenbrille. Ist manchmal wie ein Unsichtbar-Umhang, zumindest denke ich das dann.

Was treibt Sie an?
Musik. Sehr gerne Bach, gerade aber auch Ikkimel, die wirklich sehr lustig zu sein scheint und empowernd ist.

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gern ein Gespräch führen—und worüber würden Sie sprechen?
Mit meinem jüngeren Ich. Ich würde ihm erzählen, was man mit einem türkischen Namen alles erreichen kann.

Worauf freuen Sie sich, wenn ein Arbeitstag zu Ende geht?
Freunde nehmen mich ständig irgendwohin mit. Ich liebe es, dabei etwas Neues kennenzulernen.

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