Sasha Marianna Salzmann

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Sasha Salzmann, Foto: Svenja Wiese

Romanautor*in, Essayist*in, Dramatiker*in und Kurator*in Sasha Marianna Salzmann über Berliner Graffiti, Leserituale und Shisha-Rauchen.

Sasha Marianna Salzmann ist beteiligte Künstler*in der Gruppenausstellung ›Metaxy: Zwischen Zerstörung und Wiederaufbau‹, in der Akademie der Künste, die am 9 SEP in Rahmen der Berlin Art Week eröffnet.

Gibt es ein tägliches Ritual, das Ihnen Struktur oder Inspiration gibt?
Lesen. Ein Tag, ohne zu lesen (etwas Literarisches, keine Non-Fiction, keine Reportage, sondern Gedichte, Theaterstücke oder Erzählprosa), ist ein vertaner Tag. Fran Lebowitz sagt: »Think before you speak. Read before you think.« Ich kann dem nur zustimmen. Ich brauche das Lesen, um denken zu können.   

Was würden Sie tun, wenn Zeit, Geld und andere Ressourcen keine Rolle spielen würden?
Ich wollte schon immer mal eine NGO aufbauen, die Strukturen für Geflüchtete schafft, so dass sie nicht auf den Staat angewiesen sind. Ich weiß nicht genau, wie solche aussehen könnten, aber dafür würde ich die Zeit, Geld und Ressourcen nutzen.

Gab es ein Buch, das Ihre Sichtweise nachhaltig verändert hat—und warum würden Sie es weiterempfehlen?
Viele Bücher haben das getan. Romane von Toni Morrison, Han Kang oder James Baldwin. Aber die muss ich nicht empfehlen, die sind Klassiker. Ein Roman, der es unbedingt werden sollte, ist Es währt für immer und dann es ist vorbei von Anne de Marcken. Es geht um einen Zombie, der oder die um die verstorbene Liebe trauert. Ungewöhnlich und voller Humor und herzzerreißend.  

Was hätten Sie gerne früher gewusst?
Das man glücklich sein darf, auch wenn geliebte Menschen es gerade nicht sein können.

Wo tanken Sie Kraft?
Bei meiner Frau und bei meinen Friends. Ich habe viele Rituale, eines davon ist Shisha mit meinem besten Freund. Den Rauch aus unseren Köpfen entweichen zu sehen, ist manchmal besser als jede Therapie.

Welches Kunstwerk hätten Sie gern bei sich zu Hause?
Hondo yakatarisana naambuya von Portia Zvavahera
Drei Grazien von Maria Lassnig
Leuwenstraat von Tamina Amadyar

Welcher Ausstellungsort in Berlin inspiriert Sie?
Ich bin unheimlich gerne in den etablierten Museen und auch an Orten wie KW, C/O, Bethanien, und ich liebe die Galerien der Potsdamer Straße. Aber die Graffiti an den Yorckbrücken (und überhaupt in der ganzen Stadt) anzuschauen, ist wie frische Luft atmen.

Was fasziniert Sie an Berlin?
Die Stadt lässt einerseits keinerlei Illusionen zu (sie ist hässlich, grob, ihre Mauern sind immer noch voller Einschusslöcher, viele der Hinterhöfe immer noch die Zeugnisse von Bombeneinschlägen) und andererseits ist sie ein Raum für Utopie. Hier sind die unmöglichsten Konstellationen möglich. Hier fängt der Osten im Westen an.

Auf welchen Gegenstand können Sie nicht verzichten?
Ich könnte vermutlich auf jeden Gegenstand verzichten. Wäre ein Versuch wert.

Was treibt Sie an?
Das Schreiben. Wenn ich wütend bin, schreibe ich. Wenn ich glücklich bin, schreibe ich. Wenn ich sehe, dass mein Schreiben auch nur einer Person hilft, weiß ich, warum ich da bin.

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gern ein Gespräch führen—und worüber würden Sie sprechen?
Dead: Hannah Arendt. Vielleicht hätte sie eine Idee, wie wir die politische Katastrophe, die auf uns zukommt, doch noch verhindern (oder zumindest in Würde überstehen) können. Alive: Kendrick Lamar. Ich würde ihn über Lyrics und Flow ausfragen.

Worauf freuen Sie sich, wenn ein Arbeitstag zu Ende geht?
Er geht ja nicht zu Ende, für niemanden, der*die Kunst macht. Aber ich freue mich auf so vieles in den Pausen zwischen dem Arbeiten. Zum Beispiel die Gespräche mit meiner Frau, auf den Austausch mit ihr. Er ist ein wichtiger Beat meiner Tage.

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