Michael Sailstorfer

von 
Michael Sailstorfer, Foto: Dale Grant

»Ich liebe die Kunst. Ich liebe das, was ich tue.«—Bildhauer und Objektkünstler Michael Sailstorfer über Alltag, Ritual und Motivation.

Im Rahmen der Gallery Night zeigt die Galerie Judin während der Berlin Art Week 2026 mit Pull the Rug‹ eine ortsspezifische Installation von Michael Sailstorfer.

Gibt es ein tägliches Ritual, das Ihnen Struktur oder Inspiration gibt?
Ja, das gibt es. Das sind die regelmäßigen Spaziergänge mit unserer Hündin Lycka.
Bei der Arbeit bin ich meist so im Geschehen, dass ich alles andere vergesse. Oft denke ich nicht einmal daran, zu essen oder zu trinken. Lycka kann ich nicht vergessen. Sie gibt Bescheid, wenn sie raus will. Das ist in der Regel auch für mich eine willkommene Pause. Das gibt meinem Alltag Struktur und gibt mir Erdung. 

Was würden Sie tun, wenn Zeit, Geld und andere Ressourcen keine Rolle spielen würden?
Ich würde genau das Gleiche tun.

Gab es ein Buch, das Ihre Sichtweise nachhaltig verändert hat—und warum würden Sie es weiterempfehlen?
Da fallen mir sofort mehrere Bücher ein, die meine Sichtweise nachhaltig verändert haben.
Ein Bestimmtes auszuwählen, fällt mir nicht ganz leicht. Es gibt aber ein Buch, bei dem ich in wenigen Sätzen beschreiben kann, warum es mich nachhaltig beeinflusst hat. Als Teenager habe ich Michelangelo‹ von Irving Stone gelesen. Dieses Buch war einer der Gründe, warum ich beschlossen habe, Bildhauer zu werden. In der Erzählung spürt man die Getriebenheit, mit der der Künstler durch sein Leben gegangen ist. Dieser Motor scheint das scheinbar Unmögliche möglich zu machen.
Er baute zum Beispiel eine Straße in den Berg, um den reinsten Marmor für seine Kunst zu gewinnen. Diese Energie hat mich begeistert. 

Was hätten Sie gerne früher gewusst?
Ich hätte gerne früher gewusst, dass wir nicht unbegrenzt Zeit haben. Alles ist fragil und kann sich von jetzt auf gleich ändern. Als ich das verinnerlicht habe, ist der Wert meiner Lebenszeit ein anderer geworden.

Wo tanken Sie Kraft?
Ich tanke Kraft auf dem Land. Am schönsten ist das, wenn wir alle zusammen sind. Meine Frau Madeleine, meine Töchter Selma und Liv und natürlich Lycka.

Welches Kunstwerk hätten Sie gern bei sich zu Hause?
Ich hätte gerne einen Bird in Space von Brancusi in unserem Garten stehen. Als Kind habe ich zusammen mit meinen Eltern die Skulpturen des Künstlers im Pompidou in Paris gesehen. Schon damals haben mich seine Skulpturen fasziniert. Vor einigen Wochen habe ich die aktuelle Brancusi-Ausstellung in der Nationalgalerie gesehen. Meine Begeisterung ist geblieben. Es ist die Abstraktion, die das Spielerische, Poetische zulässt. Auch das Handwerk, das Zupackende finde ich toll.

Welcher Ausstellungsort in Berlin inspiriert Sie?
Der Schinkel Pavillon. Ich freue mich auf die Ankündigung jeder neuen Ausstellung dort. Ich gehe gerne in den Schinkel Pavillon und ich bin auf dem Heimweg nicht selten überrascht und inspiriert.

Was fasziniert Sie an Berlin?
Mich faszinieren an Berlin immer noch die zahlreichen Möglichkeiten, Kunst und Kultur zu erleben.

Auf welchen Gegenstand können Sie nicht verzichten?
Puh. Das ist schwer. Ich denke das ist unser Landhaus. Das steht füZuhause, Weite, Offenheit, Erdung und vieles mehr.

Was treibt Sie an?
Ich liebe die Kunst. Ich liebe das, was ich tue. Das lässt mich jeden Morgen aufstehen. Das treibt mich an.

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gern ein Gespräch führen—und worüber würden Sie sprechen?
Ich hätte gerne mit Gordon Matta-Clark gesprochen. Was ihn angetrieben hat. Für was das Haus steht. Welche Verbindung er zwischen seiner Arbeit und seinem Leben sieht. Ich bewundere sein Werk. Es hat mich seit meinem Studium begleitet und es taucht immer wieder auf. Ich habe zahlreiche Texte über seine Arbeit gelesen. Ich denke es gibt noch viel mehr darüber zu schreiben.

Worauf freuen Sie sich, wenn ein Arbeitstag zu Ende geht?
Ich freue mich auf den gemeinsamen Abend zusammen mit der Familie.

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