Arash Nassiri

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Arash Nassiri, Foto: Benedicte Gyldenstierne

Arash Nassiri über Gespräche mit seiner Großmutter, Kraftorte und das Leben in Berlin.

Mit ›A Bug’s Life‹ eröffnet Fluentum während der Berlin Art Week 2026 die erste institutionelle Einzelausstellung des in Berlin lebenden Künstlers in Deutschland.

Gibt es ein tägliches Ritual, das Ihnen Struktur oder Inspiration gibt?
Leider waren die vergangenen Monate so chaotisch, dass sich kein anderes Ritual etablieren konnte als eine Reihe schwarzer Kaffees, bis die Überkoffeinierung einsetzte.

Was würden Sie tun, wenn Zeit, Geld und andere Ressourcen keine Rolle spielen würden?
Ich würde Kunst sammeln.

Gab es ein Buch, das Ihre Sichtweise nachhaltig verändert hat—und warum würden Sie es weiterempfehlen?
Don DeLillos ›White Noisewegen seiner futuristischen Beschreibung unserer Gegenwart. Faszinierend ist auch, wie er stellenweise die innere Stimme der Leser*innen gegen sie verwendet oder wie die Typografie einzelner Wörter zu Löchern in der Oberfläche der Seiten wird. Und natürlich gibt es da noch das große Finale der Geschichte, das jeder selbst entdecken sollte.

Was hätten Sie gerne früher gewusst?
Nicht früher gewusst aber gerne früher gekannt: Die Freund*innen und Kolleg*innen, die ich in den vergangenen Jahren in Berlin kennengelernt habe. 

Wo tanken Sie Kraft?
Früher war es Teheran, aber Spaziergänge in den Alpilles in Südfrankreich, wo Cézanne oder Van Gogh einst ihre Tage verbrachten, sind in den vergangenen Jahren zu einer Art Trost geworden. Ich denke, die Geologie dieser Landschaft ist auf eigentümliche Weise anachronistisch und verleiht den Spaziergängen dort eine beinahe außerweltliche Qualität.

Welches Kunstwerk hätten Sie gern bei sich zu Hause?
Ich würde einen Vorführraum einrichten und darin Apex und Slowpex von Arthur Jafa in Endlosschleife zeigen, eines nach dem anderen.

Welcher Ausstellungsort in Berlin inspiriert Sie?
Die Architektur des Haus am Waldsee und des Schinkel Pavillons ist so eigenwillig, dass jede Ausstellung auf ihre ganz spezifische Weise auf den Raum antworten muss. Ich bin immer neugierig, wie Künstler*innen und Kurator*innen diese Herausforderung angehen.

Was fasziniert Sie an Berlin?
Wie manche Viertel sich so richtig anfühlen und auch genau so gebaut sind, während andere sich so falsch anfühlen können. Manchmal auf eine gute Weise, oft aber auf eine enttäuschend schlechte. Ich würde sagen, die Kluft zwischen diesen beiden Zuständen ist manchmal schwer zu begreifen. 

Auf welchen Gegenstand können Sie nicht verzichten?
Mein Haar-ConditionerIch habe mir um die Covid-Zeit die Haare wachsen lassen und einiges an Versuch und Irrtum durchlaufen, um den richtigen zu finden. Das war meine Version davon, meinen Freund*innen damals keine Fotos von selbstgebackenem Brot zu schicken. 

Was treibt Sie an?
Kürzlich wurde ich von Yalda Afsah und Dane Komjen eingeladen, meine Arbeit den Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg vorzustellen. Nach der Präsentation war ich etwas überrascht, dass das Wort, das in dem einstündigen Gespräch immer wieder auftauchte, unabhängig davon, ob es um Ideen, technische Aspekte oder Arbeitsmethoden ging, »Überleben« war. 

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gern ein Gespräch führen—und worüber würden Sie sprechen?
Im Moment würde ich gerne wieder bei meiner Großmutter in Teheran sitzen und mir zum hundertsten Mal ihre Familiengeschichte über ihre Mutter anhören: wie sie um die Wende zum 20. Jahrhundert aus Russland in den Iran floh. Angeblich reisten sie auf Pferden durch den Schnee eines harten Winters… Ich bin mir nicht sicher, wie viel davon tatsächlich stimmt, aber sie erzählt die Geschichte so gut, dass ich ihr immer wieder gern zuhöre. 

Worauf freuen Sie sich, wenn ein Arbeitstag zu Ende geht?
Zu meiner Partnerin und unserem Kind nach Hause in unsere Wohnung zurückzukehren🙂

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