Paola Malavassi

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Paola Malavassi, Foto: Florian Reimann

Für Kuratorin Paola Malavassi ist Musik unersetzlich. Ihr Projekt MALA (Music Art Life And…) ist Teil der Featured-Sektion der Berlin Art Week 2026.

MALA ist ein neuer Off-Space ohne festen Standort, der Kunst im öffentlichen Raum rund um die Uhr erfahrbar macht. Zur Berlin Art Week eröffnet hier ›Music of the Mind‹, eine Ausstellung des afroamerikanischen Musikers und bildenden Künstlers Wadada Leo Smith.

Gibt es ein tägliches Ritual, das Ihnen Struktur oder Inspiration gibt?
Ich führe ein Dankbarkeitstagebuch. Es erinnert mich jeden Tag daran, dass es trotz allem, was gerade in der Welt geschieht, immer etwas gibt, wofür ich dankbar sein kann.

Was würden Sie tun, wenn Zeit, Geld und andere Ressourcen keine Rolle spielen würden?
Diesen Zustand kenne ich nicht. Mein Leben war immer davon geprägt, Prioritäten zu setzen und mit begrenzten Ressourcen umzugehen. Wären Geld und Ressourcen unbegrenzt, hätte ich vermutlich einfach andere Sorgen. Zeit aber bleibt der entscheidende Faktor. Gerade weil sie begrenzt ist und wir sterblich sind, bekommt unser Handeln Bedeutung. Mich beschäftigt deshalb weniger die Vorstellung unbegrenzter Möglichkeiten als die Frage, wofür ich meine begrenzte Zeit einsetzen möchte.

Gab es ein Buch, das Ihre Sichtweise nachhaltig verändert hat—und warum würden Sie es weiterempfehlen?
›Mutig, nicht perfekt‹ von Reshma Saujani. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie Erziehung und gesellschaftliche Erwartungen Mädchen oft dazu anhalten, perfekt statt mutig zu sein—und ihnen dadurch Risikobereitschaft, Selbstvertrauen und die Freiheit nehmen, Fehler zu machen. Es hat meinen Blick dafür geschärft, wie tief diese Muster verankert sind und wie wichtig es ist, Mut über Perfektion zu stellen.

Was hätten Sie gerne früher gewusst?
Dass Ärger eine produktive Kraft sein kann. Das habe ich von Monica Bonvicini gelernt: Take Your Anger to Work!

Wo tanken Sie Kraft?
In der Horizontalen.

Welches Kunstwerk hätten Sie gern bei sich zu Hause?
Einen ›Weltempfänger‹ von Isa Genzken—diese wunderbaren Betonradios mit Antennen. Sie erinnern mich daran, dass Musik Welten öffnet. Ich hatte einmal die Gelegenheit, einen ihrer Weltempfänger gemeinsam mit einer Arbeit von Ruth Wolf-Rehfeldt zu zeigen. Beide Werke erzählen auf ihre Weise von Grenzen, Mauern, dem Bedürfnis nach Verbindung und davon, wie die Welt zu uns findet. Dass ausgerechnet Beton—ein Material der Schwere und Abschottung—zum Medium des Empfangens wird, macht für mich den poetischen Reiz von Genzkens Arbeit aus. Mein eigener ›Weltempfänger‹ ist derzeit COSMO, ein öffentlich-rechtlicher Radiosender mit internationalem Programm. Er erinnert mich täglich daran, dass die Welt manchmal nur einen Sender entfernt ist. COSMO verbindet Musik und Stimmen aus aller Welt und steht als mehrsprachiger, multikultureller Sender für gelebte Offenheit und Verständigung. Dass seine Zukunft ab 2027 infrage steht, halte ich für das falsche Signal. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftlicher Zusammenhalt und Austausch wichtiger denn je sind, sollte ein solches Programm nicht geschwächt, sondern bewahrt und gestärkt werden.

Welcher Ausstellungsort in Berlin inspiriert Sie?
Die kleineren Häuser mit Garten in der sogenannten Peripherie—alle drei geprägt von starken Kuratorinnen: das Haus am Waldsee mit Anna Gritz, das Brücke-Museum mit Lisa Marei Schmidt und das Georg Kolbe Museum mit Kathleen Reinhardt.

Was fasziniert Sie an Berlin?
Die Karl-Marx-Allee.

Auf welchen Gegenstand können Sie nicht verzichten?
Wenn Musik ein Gegenstand wäre, dann Musik. Sie treibt mich an, ordnet Gedanken, öffnet die Vorstellungskraft und verändert Stimmungen. In diesem Sinn ist sie für mich unersetzlich—eher eine Form der Gegenwärtigkeit als ein Gegenstand.

Was treibt Sie an?
Hoffnung.

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gern ein Gespräch führen—und worüber würden Sie sprechen?
Mit Kendrick Lamar. Mich würde interessieren, wie seine Kunstsammlung und seine musikalische Praxis zusammenhängen. Eines Tages, wenn ich groß bin, möchte ich eine Ausstellung mit ihm machen. (lacht)

Worauf freuen Sie sich, wenn ein Arbeitstag zu Ende geht?
Auf meine Träume.

DAS KÖNNTE IHNEN AUCH GEFALLEN