2022 gegründet, begann Super Super Markt als nomadisches Ausstellungsprojekt in temporären Räumen, darunter ein Spätkauf, ein Feinkostladen und die Privaträume eines Sammlers. 2026 ist die mittlerweile in der Brunnenstraße ansässige Galerie für den VBKI-Preis Berliner Galerien nominiert.
Gibt es ein tägliches Ritual, das Ihnen Struktur oder Inspiration gibt?
Julius Jacobi: Morgens laufen zu gehen. Seit Jahren gehört das zu meinem Alltag. Es hilft mir, den Kopf freizubekommen, meine Aufgaben zu planen und mich auf alles vorzubereiten, was der Tag mit sich bringen könnte.
Rory Kirk-Duncan: Das Frühstück für meinen Sohn zuzubereiten. Er ist nicht besonders geduldig und ich möchte nicht jeden Tag das Gleiche machen. Sich immer wieder etwas Leckeres einfallen lassen, bringt mein Gehirn auf Touren.
Was würden Sie tun, wenn Zeit, Geld und andere Ressourcen keine Rolle spielen würden?
J. J. & R. K.-D.: Wir würden beide noch mehr Zeit damit verbringen, Ateliers und Ausstellungen zu besuchen, die etwas weiter außerhalb liegen. Und natürlich würden wir mehr Kunst sammeln!
Gab es ein Buch, das Ihre Sichtweise nachhaltig verändert hat—und warum würden Sie es weiterempfehlen?
J. J.: ›The Hard Thing About Hard Things‹ von Ben Horowitz. Ich würde dieses Buch jedem empfehlen, der darüber nachdenkt, ein eigenes Unternehmen zu gründen oder zu leiten—was verdammt hart ist. Das Buch konzentriert sich auf die unschöne Realität: schmerzhafte Entscheidungen mit unvollständigen Informationen zu treffen, durch Zeiten der Unsicherheit zu führen und zu akzeptieren, dass es oft keine perfekten Antworten gibt. Es hat mir geholfen, Resilienz zu entwickeln und den Alltag bei der Leitung einer Galerie zu meistern.
R. K.-D.: Es gibt kein einzelnes Buch, das meine Perspektive grundlegend verändert hat, aber mich ziehen Autobiografien von Kreativen an, die ungewöhnliche Wege gegangen sind. ›Acid for the Children‹ von Flea und ›I Regret Almost Everything‹ von Keith McNally sind zwei, die mir in letzter Zeit besonders in Erinnerung geblieben sind. Mich interessiert, wie sich unternehmerisches Denken in verschiedenen Disziplinen zeigt—und welche übertragbaren Erkenntnisse entstehen, wenn kreative Praxis, Risiko und Neuerfindung aufeinandertreffen.
Was hätten Sie gerne früher gewusst?
J. J.: Wie wichtig Geduld ist. Eine Galerie aufzubauen, sich Glaubwürdigkeit zu erarbeiten und Künstlerinnen und Künstler über verschiedene Phasen ihrer Karriere hinweg zu begleiten, ist eine langfristige Aufgabe. Als wir aufgehört haben, schnellen Erfolgen hinterherzujagen, und angefangen haben, in Jahrzehnten statt in Monaten zu denken, haben wir deutlich bessere Entscheidungen getroffen.
R. K.-D.: Kontinuität ist wichtiger als felsenfeste Überzeugung. Man hat nicht sofort alle Antworten, wenn man etwas Angehendes oder Wertvolles beginnt—egal ob man eine Galerie eröffnet oder mit Kunstschaffenden zusammenarbeitet. Man lernt durchs Machen.
Wo tanken Sie Kraft?
J. J.: Ich verbringe gerne Zeit in der Natur mit meiner Familie oder Freunden—entweder am Meer oder in den Bergen.
R. K.-D.: Die Schweizer Berge zur Sommerzeit. Ich habe gemerkt, dass das der einzige Ort ist, an dem ich so richtig zur Ruhe komme.
Welches Kunstwerk hätten Sie gern bei sich zu Hause?
J. J.: Gerhard Richter ›Weinernte‹, 1968
R. K.-D.: Jedes einzelne der ›The Black Triptychs‹ Werke von Francis Bacon wäre schön.
Welcher Ausstellungsort in Berlin inspiriert Sie?
J. J. & R. K.-D.: Wir schätzen das Programm des Hauses am Waldsee beide sehr. Seine Geschichte als ehemaliges Wohnhaus verleiht den Ausstellungen einen ganz besonderen Rahmen—das führt zu Projekten, die auf durchdachte und gekonnte Weise auf die Architektur eingehen.
Was fasziniert Sie an Berlin?
J. J. & R. K.-D.: Die Community in allen Bereichen der Stadt—sei es Kunst, Gastronomie oder Musik, um nur einige Beispiele zu nennen. Unsere Vision war von Anfang an, Menschen zusammenzubringen, die dieselbe Leidenschaft für Kunst teilen—eine Community und ein echtes Zuhause für sie aufzubauen. Durch diese Verbindungen entstehen wertvolle Beziehungen und das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Berlin bietet dafür einfach das perfekte Pflaster.
Auf welchen Gegenstand können Sie nicht verzichten?
R. K.-D.: Die Antwort ist eher pragmatisch als romantisch, aber: leider ein iPhone.
J. J.: Definitiv das iPhone! Es ist für mich das wichtigste Werkzeug, um zu kommunizieren, Dinge zu dokumentieren und die Galerie zu leiten.
Was treibt Sie an?
J. J. & R. K.-D.: Beziehungen zu Künstlerinnen und Künstlern aufzubauen und ihre Visionen aus immer wieder inspirierenden Gesprächen heraus zu verwirklichen. Von Künstler*innen zu lernen, ist ohne Zweifel der erfüllendste Teil unseres Jobs.
Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gern ein Gespräch führen—und worüber würden Sie sprechen?
J. J.: Michael Ovitz. Von ihm zu erfahren, wie er die Künstleragentur CAA gegründet hat, wie er Beziehungen zu Künstlern aufgebaut hat und wie seine persönliche Sammlung entstanden ist—das wäre garantiert das Gespräch meines Lebens.
R. K.-D.: Bob Dylan. Ich glaube, ein Gespräch mit ihm wäre faszinierend. Ich würde ihn unglaublich gerne über sein Leben und seine Karriere reflektieren hören—über das hinaus, was er in ›Chronicles: Volume One‹ geschrieben hat. Seine ununterbrochene Rastlosigkeit, seine Bereitschaft, sich immer wieder neu zu erfinden, und seine Weigerung, in nur einer Schublade zu stecken, haben mich schon immer fasziniert. Ich würde gerne wissen, was diese Veränderungen über die Jahre angetrieben hat und wie er heute auf diese Reise zurückblickt. Ich stelle mir vor, dass das Gespräch über Musik, Literatur, Geschichte und alle möglichen unerwarteten Abzweigungen wandern würde—genau das würde es so spannend machen.
Worauf freuen Sie sich, wenn ein Arbeitstag zu Ende geht?
J. J.: Auf das Abendessen mit meiner Familie.
R. K.-D.: Meinen Sohn nach seinem Tag in der Kita zu sehen.