Länderfokus Türkei auf der Positions Berlin Art Fair

von 
Ece Özel, Courtesy Ambidexter

Ein besonderer Länderfokus liegt in diesem Jahr auf der Türkei: Teaser Text folgt

Simla İçeli, Courtesy Ambidexter

Ambidexter, Istanbul—Simla İçeli
Die weiche Farbenwelt von Simla İçeli wiegt die Betrachter*in zunächst in Sicherheit. Verspielt tanzen Figuren, Zahlen und Objekte umeinander, glasiert von Pastelltönen, schweben, treten hervor und verschwinden wieder. Doch die Kindheitserinnerungen und popkulturellen Anspielungen in İçelis Arbeiten, wie beispielsweise das Baby auf den Cicibebe-Keksen, das immer wieder vorkommt, dienen der Künstlerin lediglich als Bedeutungsträger für Themen wie Diszplin, Bestrafung und Spiel. Schicht für Schicht pellt die Simla İçeli kulturell erlernte Denkweisen ab, um die darunterliegenden Fehler im patriarchalen Gesellschaftssystem zu offenbaren. Die traumgleiche, trostspendende Dimension ihrer Werke geht Hand in Hand mit den Darstellungen von Andenken aus ihrem Familienarchiv, dank derer sie ihre eigene kulturelle Identität erforscht und stets infrage stellt.

 

Ece Özel, Courtesy Ambidexter

Ambidexter, IstanbulEce Özel
Für Ece Özel ist Malerei ein Zusatz zu ihrer Praxis als DJ und Soundkünstlerin, obwohl sie ursprünglich Bildende Kunst in Istanbul studierte. Doch wie viele vor ihr machte sie die Erfahrung, dass die Akademie nicht unbedingt ihre Liebe zur Kunst stärkte, denn das Klima der türkischen Kunstszene war ihrerzeit ein konservatives. Und so legte sie den Pinsel für fast zehn Jahre nieder, hielt ihre künstlerische und musikalische Identität fein säuberlich getrennt, bis sich diese Praxis nicht länger bewährte und Özel die Musik und die Kunst zu einer kohärenten gemeinsamen Ausdrucksform zusammenführte. Und die musikalischen Einflüsse sind in ihren Gemälden gut wiederzuerkennen: Ihre Arbeiten sind oft in das gleiche leuchtende Nachtclub-Rot getaucht wie ihre DJ-Sets, und auch die Schichtung der Farben, die Stimmungen und der Sinn für Timing resonieren mit den Dynamiken elektronischer Musik. Wie in der Nachtwelt finden sich auch bei Özel gesichtslose Figuren, flüchtige Silhouetten und fließende Bewegungen.

Ardan Özmenoğlu, Courtesy Anna Laudel

Anna Laudel, IstanbulArdan Özmenoğlu
Der Post-it-Zettel ist den Meisten eher Mittel zum Zweck, Ort des Erinnerns oder verhasster To-do-Listen. Ardan Özmenoğlu siebdruckt und bemalt die quadratischen Papierchen, die sich demzufolge leicht einrollen und dreidimensionale, beinahe architektonische Strukturen erzeugen. Auch in ihren neueren Arbeiten sucht die Künstlerin nach Voluminösität, sie bemalt Glasplatten mit Nagellack, um diese hintereinander zu positionieren, mit Transparenz und Opazität zu spielen und farbige Schichtungen zu erzeugen. Oder in ihren Neonschrift-Skulpturen, in denen sie umgangssprachliche türkische Ausdrücke aufgreift. In einigen dieser Arbeiten kritisiert sie patriarchale Macho-Kultur in der Türkei, in anderen kommentiert sie globale popkulturelle Phänomene—immer mit einem Hauch Ironie.

Oğulcan Kuş, Courtesy Anna Laudel

Anna LaudelOğulcan Kuş
Der weiße Handschuh—ein wiederkehrendes Element in den Arbeiten von Oğulcan Kuş, einem türkischen Künstler, der viele Jahre in den USA lebte und stark von amerikanischer Popkultur inspiriert ist. Doch seine türkischen Wurzeln sind ebenso präsent: »Lange Zeit habe ich hauptsächlich minimalistisch und geometrisch gearbeitet. Ich glaube, das ergibt sich intuitiv daraus, dass ich in der Türkei geboren und aufgewachsen bin, denn die Türkei ist ein modernes Land mit islamischen Wurzeln, die bis ins Osmanische Reich zurückreichen, in dem die Darstellung von Figuren lange Zeit verboten war. Daher besteht der Großteil des bildlichen Erbes eher aus geometrischen Mustern und Ornamenten als aus Figuren oder Darstellungen«, erklärt der Künstler. Dieses duale Bewusstsein findet sich in den Arbeiten von Kuş wieder. So sind die weißen Handschuhe in Kuş’ Gemälden inspiriert von amerikanischen Cartoons wie Mickey Mouse und Co, und gleichzeitig beeinflusst von Kuş’ Arbeit als Art Handler, bei der das Tragen von Handschuhen unentbehrlich ist. Und: »Es gibt da einen türkischen Glauben—die unsichtbare Hand. Etwas, das das Schicksal seinen Lauf nehmen lässt, das hinter den Kulissen dafür sorgt, dass Dinge geschehen.«

Erol Eskici, Courtesy Sanatorium

Sanatorium, IstanbulErol Eskici
Erol Eskicis fächerförmige Strukturen aus Tinte erinnern zunächst an Flügel von Schmetterlingen oder die geriffelte Struktur einer Muschelschale, doch die reine Assoziation mit der Natur oder der Biologie wäre zu kurz gegriffen. Ganz eher interessiert der Künstler sich für die Analogien und Prozesse dieser morphologischen Einheiten, für das Falten, Biegen, Entfalten und erneute Schließen. Ob Rost, Regen oder Bakterien; es handelt sich bei Eskici oft um gepresste, verbogene oder im Laufe der Zeit abgelagerte Strukturen. Der Künstler öffnet einen Raum, in dem Formen umherwandern, sich verwandeln, vermehren und ständig neue Möglichkeiten hervorbringen. Erol Eskici stellt keine bereits entdeckte Welt dar, sondern schafft ein eigenes visuelles Universum.

Alle teilnehmenden Galerien:
AB Gallery Gwangju (Südkorea) Galerie Adama Berlin Berlin a|e Galerie Potsdam AK Galerie Berlin Ambidexter Istanbul (Türkei) / Galerie Andreae Bonn Galerie Anna Laudel Düsseldorf / Istanbul / Ankara (Türkei) ar-gallery Hamburg Aria Gallery Daejeon (Südkorea) Arsmonitor Gallery Bukarest (Rumänien) Art Nova Berlin artnow Gallery Berlin ASPN Leipzig (Daisies) Augsburg Contemporary Augsburg Galerie B2 Leipzig (Daisies) Balc Osaka (Japan) Galerie Barbara von Stechow Frankfurt am Main Galerie Benden & Ackermann Düsseldorf / Köln Galerie Biesenbach Köln Bildhalle Zürich (Schweiz) / Amsterdam (Niederlande) Bita Kolenda Gallery Berlin Brennecke Fine Art Berlin Gallery Brulhart Genf (Schweiz) C&B Reichert Galerie Berlin Galerie Carolyn Heinz Hamburg Christian Marx Galerie Düsseldorf Galerie Cyprian Brenner Hüttlingen-Niederalfingen Galerie DeBaas Soest (Niederlande) Eigen + Art Leipzig / Berlin (Daisies) Eigenheim Weimar Galerie Electron Libre Paris (Frankreich) Emde Gallery Mainz Foem Gallery Seoul (Südkorea) Galerie Friedmann-Hahn Berlin FWR Galerie Berlin Galleria Immaginaria Florenz (Italien) Galerie Gerig Basel (Schweiz) Gräfe art.concept Berlin Galerie Greulich Frankfurt am Main Hilgemann.Art Berlin Galerie Horst Dietrich Berlin Idolon Gallery Taipeh (Taiwan) Galerie Inga Kondeyne Berlin iros.gallery Berlin Iseurrat Artroom Seoul (Südkorea) Jarmuschek + Partner Berlin Galerie Jochen Hempel Leipzig (Daisies) Kämper Galerie Leipzig ( Daisies) [FS5] Karpuchina Gallery Prag (Tschechien) Galerie Kleindienst Leipzig (Daisies) Kunsthandel Draheim Eltville-Hattenheim Lagos Berlin / Mexiko-Stadt (Mexiko) Larsson + Köln Lumbre Gallery Madrid (Spanien) Maksla XO Riga (Lettland) Malte Uekermann Kunsthandel Berlin M Art Gallery Lublin (Polen) / Kyjiw (Ukraine) Galerie Martin Mertens Berlin Galerie Mathias Güntner Hamburg / Berlin Galerie Met Berlin mianki.Gallery Berlin Mobb Art Club Madrid (Spanien) ODP Galerie Leipzig Oooit Art Utrecht (Niederlande) oqbo raum für wort bild und ton Berlin Paint Shop Berlin Berlin Galerie Paul Scherzer Halle (Saale) Pierre-Francois Ouellette art contemporain Montreal (Kanada) Raw Lemon Gallery Leipzig Reiter Leipzig / Berlin (Daisies) Robegago Gallery Paris (Frankreich) Sanatorium Istanbul (Türkei) Galerie Schindler Potsdam Galerie Sievi Berlin SKM Galerie Leipzig Splot Gallery Sopot (Polen) Galerie Stefan Rasche Berlin Subjectobject Berlin TaDas Art Gallery Vilnius (Litauen) Galerie Tammen Berlin Galerie ten Hoevel Köln Thaler Originalgrafik Leipzig (Daisies) The Chemistry Gallery Prag (Tschechien) The Grass Is Greener Leipzig (Daisies) Ting Ting Art Space Taipeh (Taiwan) Tsekh Berlin / Kyjiw (Ukraine) Van Rij Gallery Krakau / Ćmielów (Polen) Vault One Gallery Cluj-Napoca (Rumänien) von Schulthess Projects & Residency Zürich (Schweiz) Galerie von Wegen Hamburg Galerie Von&Von Nürnberg Wichtendahl Galerie Berlin Yuki-Sis Tokio (Japan) Yvonne Hohner Contemporary Karlsruhe

DAS KÖNNTE IHNEN AUCH GEFALLEN