Zusammenkommen im Berlin Art Week Garten 

von 
2026 am Kulturforum

Seit 2021 richtet sich das wandernde Format an ein breites Publikum.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer limitierten Jubiläums-Printpublikation 15 YEARS BERLIN ART WEEK.

Der erste befand sich auf dem Vorplatz des Kindl—Zentrum für zeitgenössische Kunst in Neukölln. Im September 2021 bildete ein knallbunter Pavillon, gestaltet von Sol Calero, das Zentrum des ersten Berlin Art Week Gartens: multifunktional nutzbar und absolut niedrigschwellig. Liegestühle gab es, eine kleine Bühne, einen Unterschlupf darunter, sich organisch um Bäume windende Tische, viele Stufen, auf denen man sich niederlassen konnte, und allerlei handbemalte Elemente. Morgens begann das Programm mit Frühsport. Caique Tizzi servierte mittags ›Pausenbrot‹ , mit Brot von einer Kiezbäckerei, das für eine Person viel zu groß war, so dass man sich zum Essen in Gruppen quasi zusammenfinden musste. Das Performance-Kollektiv Gob Squad lud zu Gesprächen ein. DJs des damals noch nahegelegenen Clubs SchwuZ legten Musik auf. Andere Formate nahmen direkt Bezug auf Programme der Berlin Art Week.

Länger schon hatte man darüber nachgedacht, einen physischen Ort zu schaffen, an dem Menschen—umsonst und draußen—zusammenkommen könnten, mit Platz für ein Vermittlungsprogramm und weitere Veranstaltungen für ein breites Publikum. Nachdem das erste Coronajahr einmal mehr verdeutlicht hatte, wie wichtig der persönliche Austausch ist, wurde die Idee im folgenden Jahr umgesetzt.

»Der Berlin Art Week Garten ist ein Ort, an dem man sich eingeladen fühlen soll, dort zu verweilen, wo man zusammenkommen kann. Der Name ist sehr bewusst gewählt: Der Garten liegt noch vor dem Haus, nimmt die Umgebung mit auf, dort geht es spielerischer zu, experimentierfreudiger. Hier wird Gemeinschaft statt Exklusivität gepflegt«, so beschreibt Mona Stehle, künstlerische Leiterin der Berlin Art Week, dessen Rolle im Programm.

Als wanderndes Format konzipiert, zog der Garten 2022 in Kooperation mit dem Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) an eine der wichtigsten Produktionsstätten Berlins, auf das 18000 Quadratmeter große Areal der Uferhallen, wo sich seit vielen Jahren Ateliers, Tonstudios, Proberäume, Werkstätten und eine Ausstellungshalle befinden. Während Performances, Talkrunden und Open Studios konnte das Publikum in direkten Kontakt mit Künstler*innen treten. Abends boten ein Open-Air-Kino und Musikveranstaltungen von Cashmere Radio ein abwechslungsreiches Programm. 2023 wanderte der Garten in Zusammenarbeit mit atelier le balto und 50 großen Bäumen aus einer Baumschule vor die Neue Nationalgalerie, um die herum Konzerte und ein Performancefestival stattfanden. 2024 war der Garten zu Gast auf dem Parkplatz am Gropius Bau, pünktlich zur ersten großen Ausstellung unter Direktorin Jenny Schlenzka. Gemeinsam mit dem Büro something fantastic wurde mit künstlerischen Interventionen die Nachnutzung eines städtischen Ortes in einer postautomobilen Zukunft erprobt. 2025 am Hamburger Bahnhof wurde das Format erstmals tatsächlich in einem Garten platziert, ein internationales Symposium zur Zukunft von Museen und Workshops im Kontext der Initiative ›Vorsicht Demokratie!‹ bildeten inhaltliche Schwerpunkte. 2026 heißt er am Kulturforum willkommen.

Wo der Garten sich jeweils hinbewegt, wird immer erst wenige Wochen vor der Berlin Art Week verkündet. Das Format bleibt stets uneingeschränkt ortsspezifisch und maximal flexibel: »So kann der Berlin Art Week Garten je nach Ort alles Mögliche zugleich sein: Kiezlabor und Plattform für die Programmpartner, Veranstaltungsort, Picknickplatz, Tanzfläche, Podium, Bühne, Bibliothek und Infocounter, immer aber Treffpunkt und Ort zum Zusammenkommen«, erklärt Mona Stehle. Pflanzen wachsen dort vielleicht nicht immer, aber dafür vieles andere: Netzwerke zum Beispiel oder Ideen, die sich aus Begegnungen ergeben.

15 YEARS BERLIN ART WEEK

Das limitierte Booklet zum 15. Jubiläum der Berlin Art Week zeichnet auf 128 Seiten in Essays, Interviews und Bildstrecken die Entwicklung der Berlin Art Week in den vergangenen 15 Jahren nach, wirft einen Blick auf den Status quo und wagt einen Ausblick auf die Zukunft der Kunststadt Berlin. Mehr als 50 Stimmen aus der Berliner Kunstszene teilen ihre persönlichen Perspektiven.

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